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www.birdy-freunde.de/birdy/radwelt-0206.html - ausgedruckt am 04.02.2012

aus Radwelt, Ausgabe 06/02, S. 20 f.

Die kannste knicken

Raus aus dem Zug, rauf aufs Faltrad, ab zum Termin. So macht Mobilität richtig Spaß. Das entdecken auch immer mehr Hersteller und setzen aufs Faltrad im neuen Sortiment. Radwelt-Autor Georg Bleicher hat die neuesten Modelle ausprobiert.

Bislang war das Faltrad in erster Linie was Praktisches für Arbeitspendler. Und das nicht nur, weil das kleine Ding in Bus und Bahn umsonst mitfährt, sondern auch weil es Zeit, Geld und Nerven spart, wenn man beim Aussteigen schon los düsen kann. Dabei sind Falträder längst nicht mehr nur was für Insider: Einmal den Klappmechanismus zeigen lassen, ausprobieren und losfahren. Generell gilt: Je geringer Gewicht und Faltmaß, desto kürzer ist die Faltzeit. Fast alle Räder, die wir Probe gefahren haben, lassen sich in 20 Sekunden klein machen. Dabei zählt, wie nett das Paket zu Händen und Klamotten ist. Wer sich beim Falten einsaut, wird sich beim nächsten Mal wohl wieder fürs Auto entscheiden. Wichtig sind auch Gewicht und Handhabung: Lassen sich die Fahrradkilos gut tragen, oder schrubben sie ständig am Körper?

Mehr noch als beim Normalrad brauchen Falträder ausgeklügelte Technik und Liebe zum Detail. Wie schafft man ein möglichst einfaches Faltsystem mit kleinsten Maßen, ohne dass das Rad vor lauter Gelenken wie ein Schluck Wasser in der Kurve hängt? Und wie kriegt man alle Anforderungen eines großen Rades unter so einen kleinen Sattel?

Jedes Faltrad hat inzwischen seine ganz eigene Nische gefunden - es kommt also nur darauf an, das richtige Rad für den richtigen Zweck zu finden.

Es gibt viele Modelle

Im Gegensatz zum typischen Pendlerrad Brompton haben zum Beispiel Falträder wie das Dahon oder das Hercules eine ganz andere Aufgabe: Sie müssen keinen hohen Fahransprüchen gerecht werden, sollen aber dafür einfach, günstig und platzsparend immer dabei sein - etwa im Auto. Das ist nichts für die lange Tour, aber praktisch für die Fahrt zum Bäcker.

Etwas mehr Platz brauchen da noch das Bernds und das Moulton, die aber dafür fahrtechnisch höchste Anforderungen befriedigen: Die beiden sind ideale Reiseräder zum klein machen.

F 3 x 8 von Bernds

Viel fahren und manchmal falten

Dank vielfach verstellbarem Vorbau hat das Bernds variable Sitzpositionen: von ganz sportlich bis bequem-aufrecht. Ein sehr steifer, ungeteilter Stahlrahmen sorgt für starke Fahreigenschaften. Lediglich die extreme Wendigkeit erinnert daran, dass kein stabiles Reiserad unter dem ultraharten Brooks-Sattel (einfahren oder austauschen!) steckt. Mit dem Komfort ist es allerdings nicht so weit her, das Hinterbau-Elastomer schluckt nur die gröbsten Stöße. Aufpassen muss man aber auf die Hose, in die die kleinen Aufstell-Füßchen gerne Löcher reißen.

Mit der Dualdrive-Schaltung von SRAM ist das Bernds bestens bestückt. Die in allen Situationen optimal schaltbare 3-Gang-Nabe sichert mit den acht Gängen der Kettenschaltung zusammen einen riesigen Übersetzungsbereich. Nur das Bremsen funktioniert nicht ganz so brillant: Die starken V-Brakes sind leider nicht gut dosierbar. Preis: 1.500 €.

FAZIT UND BESONDERHEIT

Highlights: Die absolut stabilen, reisetauglichen Laufeigenschaften und die nach dem Entfalten schon eingestellte Sattelhöhe. Eher großes Packmaß, großer Fahrspaß. Ein erstklassiges Fahrrad, das man auch falten kann. Viele Variationsmöglichkeiten dank Standard-Lenker und Vorbau, optimale Verarbeitung.

T6 von Brompton

First Class Folding

Dieses Rad macht das Falten zum Harmonie-Erlebnis: grandios, wie alles zusammen passt und in einem gut tragbaren zwölf-Kilo-Paket verschwindet. An einfachen, aber stabilen Scharnieren werden Rahmen und Vorbau geteilt und es passt zusammen, was zusammen gehört. Die Finger macht man sich dabei höchstens bei absolutem Sauwetter schmutzig.

Ansonsten ist das kultige Original auch wegen seiner schlichten, aber stabilen Technik beliebt. Eine Dreigang Sachs-Schaltung und eine Zweigang-Kettenschaltung, sorgen für ausreichende Übersetzungsbreite. Die Fahrstabilität ist trotz der 16-Zöller angenehm - allerdings bei recht schmalbrüstigen Felgenbremsen. Das Gummifederelement am Hinterbau lässt die kleinen Räder vergessen, insgesamt sitzt man eher aufrecht und komfortabel auf dem voll ausgestatteten Klassiker. Und der altehrwürdige Sachs Dreigang-Schalthebel ist zwar völlig unergonomisch, aber einfach Kult -wie das ganze Bike. Preis: 1.175 €.

FAZIT UND BESONDERHEIT

Geniale Falttechnik, minimales Faltmaß. Trotz kleiner Räder noch gute Laufeigenschaften. Enormer Kultstatus, der Emotionen weckt. Sport ist aber was anderes, und auch die Bremsen bräuchten mal ein Update, aber das bestens ausgestattete Brompton ist nach wie vor der Klassiker für Pendler mit bis zu 10 Kilometern Fahrstrecke.

Helios von Dahon

schlicht und günstig

Das Helios von Dahon hat als einziger Falter unserer Auswahl ein Ober- und ein klappbares Unterrohr, allerdings ist ersteres durchbrochen und wird nur durch den Anpressdruck des unteren Scharniers zusammengehalten. Deshalb kann es nicht soviel Fahrstabilität bieten wie seine Kollegen. Auf viel Kilometerleistung ist das Helios aber sowieso nicht ausgelegt, die Fahreigenschaften sind aber noch recht passabel. Die komfortable Fünfgang-Nexave-Nabe reicht für diese Ansprüche, die einfachen V-Brakes ebenso. Leider sind Lenker und Vorbau miteinander verschweißt, so dass man den seltsam unergonomischen Lenkerbügel leider nicht austauschen kann. Wie das Hercules wartet das mit einer gut ansprechenden Sattelstütze gefederte Rad also eher im Auto auf seinen Kurzeinsatz und ist für Pendler weniger geeignet - auch deshalb, weil das gefaltete Rad zwar nicht besonders groß ist, aber dennoch kein handliches Paket bildet. Dafür aber ist es unschlagbar im Preis: 799,95 €.

FAZIT UND BESONDERHEIT

Das Helios lässt sich am simpelsten falten bzw. klappen, sein Packvolumen hat Mittelmaß. Fahrwerkstechnisch keine großen Ambitionen, läuft noch zufriedenstellend ruhig, auch wenn das durchbrochene Oberrohr die Stabilität mindert. Wirklich gut kann man mit dem Helios vor allem sparen.

Birdy Grey von Riese und Müller

Wenn Falter federn

Unter den Technik-Freaks hat das Birdy seit Jahren eine feste Fangemeinde. Das Vöglein ist der optimale Kompromissfalter: sein Paket ist nur etwas größer als das Brompton, hat aber sehr sportliche Fahreigenschaften bei direkter Lenkung, flacher Sitzposition und dank der Vorderradschwinge auch einen hohen Federkomfort. Unsere High-End-Ausgabe Grey ist das teuerste Rad der vorgestellten Modelle und hat entsprechend viele technische Leckerbissen: Die kultige Rohloff-Nabe, scharfe Ritchey-V-Brakes und Avid Hebel, ein knallharter Vetta-Sportsattel...

Leicht laufende Hochdruckreifen sorgen für Speed und die Wendigkeit ist phänomenal. Aber ob es wirklich ein Faltrad mit der derzeit feinsten Nabenschaltung für 2.499 € braucht, kann jeder selbst entscheiden.

FAZIT UND BESONDERHEIT

Dynamisch, schnell und stark. Von allen gefahrenen Falträdern fühlt sich das Birdy auf der Buckelpiste am wohlsten. Pendelrad, freches Cityrad, Kurztour - das Birdy ist ein "Hans Dampf in allen Gassen" mit sportlichem Image. Vernünftiger sicher mit der Dual-Drive-Schaltung ausgestattet ("Blue", 1.449 €), aber die teurere Grey-Version mit HighTech-Komponenten und Rohloff begeistert den Technik-Freak.

Carbike von Hercules

My home is my Auto

Der Name sagt schon genug: Das Hercules wohnt im Kofferraum und sorgt im Ernstfall für Mobilität auf kurzen Strecken. Trotzdem ist es vollwertig ausgestattet, selbst die Lichtanlage fehlt nicht.

Fahrtechnisch kann das Carbike aber nicht mit seinem 16-Zoll verwandten Brompton konkurrieren. Dank Elastomer-Federung und dicken Reifen fährt es sich recht komfortabel, aber auch etwas behäbig. Viel Fahrspaß kommt wegen der nur wenig steifen Konstruktion nicht auf, auch schluckt der wartungsfreie Riemenantrieb immer etwas Kraft. Am wohlsten fühlt man sich auf dem dicken Selle Royal-Sattel sowieso nur beim ruhigen Dahinrollen. Dazu reichen dann auch die Dia-Compe V-Brakes aus. Gefaltet ist das Hercules angenehm schmal, aber etwas unhandlich zu tragen. Dafür hat es einen tragbaren Preis: 999 €.

FAZIT UND BESONDERHEIT

Dank Gummifederelement und breiter Reifen ist das Carbike relativ komfortabel. Lange Strecken sind nicht seine Sache: Knappe Übersetzung, undynamisches Fahrverhalten. Bei starkem Antritt kommt schnell das Vorderrad hoch. Gut: Gepäckträger reicht auch fürs große Picknick, sehr solide.

APB 8 von Moulton

Fahrrad-Kultur

Streng genommen ist das Moulton gar kein echtes Faltrad. Was Dr. Alex Moulton in den 60ern erfand, ist eher ein Zerlegerad und ein ungewöhnlich filigraner Hingucker. Per Inbusschraube ist das Moulton in zwei etwa gleich große Teile zerlegbar - allerdings braucht das deutlich mehr als 20 Sekunden. Aber dafür kriegt man auch die Fahrdynamik und Steifigkeit eines Rennrads. Vorne und hinten wird gut gefedert. Und wenn das APB8 erst mal locker über Kopfsteinpflaster zischt, sind schwere Teleskopfedergabeln schnell vergessen. Die Sitzposition ist sportlichgestreckt, der verstellbare Vorbau lässt aber viele Höhen- und Winkelvariationen zu. Natürlich gibt's bei der Schaltung auch SRAMs Dualdrive im Angebot, wie es das Moulton überhaupt in vielen verschiedenen Ausführungen gibt. Unser 11-kg-Leichtgewicht hat eine leider etwas kurz geratene 8-fache Shimano Sora-Übersetzung. Gemessen an Exklusivität und Verarbeitung hat es aber einen insgesamt günstigen Preis: 1.458 €.

FAZIT UND BESONDERHEIT

Das Fahrwerk des zweiten britischen Kultrads ist spitze. Antritt und Fahrdynamik wie ein Rennrad, Federung wie ein gutes Trekking-Fully, auch auf schlechter Straße der Renner. Kein Falter; zerlegt sind die zwei Teile locker in jedem Auto unterzubringen, ein Inbusschlüssel ist notwendig.

Founder S von Koga Miyata

Komfortables aus Holland

Eigentlich kommt das Koga Miyata Founder S erst im Winter auf den deutschen Markt. Wir haben den Prototyp jetzt schon gefahren: Insgesamt wirkt der Holländer seriös und fein und ist mit Batteriebeleuchtung und Deore/Tiagra-Komponenten ausgestattet. Der Clou ist aber die neu entwickelte Parallelogramm-Federgabel vorne. Die Federung arbeitet auch auf Kopfsteinpflaster gut. Vielleicht sollte man aber noch über die Verkürzung des Hauptrohrs nachdenken: Menschen unter 1,70 bekommen womöglich lange Arme. Ansonsten läuft das Rad ruhig und fast wie ein großes auf der Straße. Nur in langsamen Kurven kippeln die kleinen Räder leicht. Die Übersetzung der 9-fach-Schaltung dürfte für kräftige Faltfreunde etwas länger ausfallen. Die Käufer werden aber wohl eher aus der Komfort-Fraktion kommen. Und das ganz zurecht. Preis: 1.495 €.

FAZIT UND BESONDERHEIT

Ein feines Komfortrad mit einfachem, stabilem Klappmechanismus, z.B. für Autofahrer mit Radtourgelüsten. Gepäck kommt dabei recht kurz, was nicht in die Spezialtasche passt, muss auf Radlers Rücken. Sehrsolide Verarbeitung, elegante, technische Optik.

Als Ergänzung und nicht im tabellarischen Vergleich:

Das neue Frog

Birdy-Technik auf klein

Da kann Markus Riese grinsen wie ein Breitmaulfrosch: Das nagelneue Frog hat zwar nur eine Dreigang-Nabe und 12-Zoll-Räder, soll aber auf Kurzstrecken dem Hercules und Dahon stark Konkurrenz machen, vor allem was Fahrspaß und Komfort angeht. Mini-Faltmaße: 63 x 48 x 29 cm. Im Preis orientiert sich das quirlige Ding mit dem Diodenlicht in Lenkstange und Sattel aber am großen Bruder Birdy mit 1.110 €. Das Frog wurde ganz frisch im September auf den Fahrradmessen in Köln und Friedrichshafen präsentiert. Mehr über das Rad lesen Sie in einem ausführlichen Fahrbericht in der nächsten Radwelt.

 

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© 2003 - letzte Aktualisierung: 03.11.2003
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