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www.birdy-freunde.de/events/cyclassics02-ber.html - ausgedruckt am 04.02.2012
Von Ulrich Gehrmann
Das offizielle Ergebnis, das einem nach einigen Stunden auf das Handy gespielt wird und unter
www.hew-cyclassics.de im Internet steht:
Rang Name Jg Land/Ort Team Zeit Rückstand Stnr Kat/Rang km/h ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- 1313. Gehrmann Ulrich 52 Wunstorf birdy-freunde I 5:05.39,3 59.49,7 (4177) 170Msen2 360. 33,547
Insgesamt wurden 1.551 Fahrer gewertet.
39 Fahrerinnen sind diese Strecke gefahren. Mittelfeld: Der 775. klassierte Fahrer hat 4 Std. 38 Min mit einem Schnitt von 36,8 km/h gebraucht.
Peter E. schrieb in der Mailing-Liste: ist das ein Scherz oder ein Tippfehler? Also, es war ein Spaß und kein Scherz, aber einige Tippfehler wirst Du im Text wohl doch finden!
Mein tourentaugliches Birdy habe ich natürlich getunt. Den Gepäckträger hatte ich schon abgebaut, die Hörnchen dafür vorne an den Lenkerenden befestigt. Ausgetauscht habe ich die einfachen Klick- gegen die sportlichen Doppelseiten-Klickpedale, das normale 56er Kettenblatt gegen ein 60er. Zwei Flaschenhalter befestigte ich vorne an Lenkerrohr und einen am Sattelrohr.
Bis zum Morgen wartete ich mit der Entscheidung über die Demontage der Schutzbleche ab. Die Sonnenstrahlen entschieden, was sich aber nur für die ersten 30 km als vorteilhaft erwies, weil es dann bis kurz vor dem Ziel unterschiedlich stark regnete.
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| Der Scherzbold steht noch immer mit seinem komischen Rad da. Und dann in der ersten Startreihe! Na ja, beim Startschuss wird er sich schon schnell verkrümeln. |
Da ich dem Humor zugeneigt bin, freue ich mich, dass ich die anderen Teilnehmer mit dem Anblick meines Gefährtes schon beim Start erheitern konnte. Einige hielten es für einen Radfahrer-Scherz. Auch den Transponder (Zeitmesser) an der Vorderradnabe rechts fanden sie eine gute Inszenierung. Die Gruppen wurden nach Blöcken am Start frei geschossen und es überraschte sie doch, als ich dann tatsächlich mit losfuhr und mir eine schnelle Gruppe suchte. Zu Anfang muss man besonders auf herumrollende Wasserflaschen aufpassen. Die ersten schlecht befestigten flogen nach wenigen Kilometern an Straßenunebenheiten aus den ungeeigneten Haltern oder den Trikots und schossen quer über die Straße.
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| Da haben sich aber einige getäuscht! Der "Scherzbold" fuhr tatsächlich mit und legte eine ordentliche Zeit vor! |
Nach 25 km gab es den ersten Sturz auf der rechten Seite, ein lauter Knall lässt wohl auf einen Reifenplatzter schließen. Bis zu ca. km 70 ging die Post ab. Es hatte schon eine knappe Stunde geregnet und man wusste nicht, ob mehr Regen von oben runter als von unten wieder hoch kam. Solange nur Regen auf die Brillengläser niederging, war noch einigermaßen klarer Durchblick. Erst als sich das Dreckgemisch wie ein Schleier verbreitete, half das Wischen kaum und gab es nur noch scharfe Inseln. Plötzlich, nur fünf Positionen vor mir, flogen einige Räder und Fahrer durch die Luft. Wahrscheinlich hätte ich zwar noch ganz abbremsen können vor dieser sich langsam aufbäumenden Sturz-Skulptur von Rädern, Teilen und Fahrern. Da aber immer noch einige hineinfuhren, traute ich mich wegen der Hintermänner nicht zu scharf zu bremsen, sondern sprang mit dem Birdy mit Hilfe der Klickpedalen auf den linken Bürgersteig aus dem "Schussfeld", landete mit dem Hinterrad etwas unsanft, was von einem metallenen Klickgeräusch begleitet wurde. Aber was ist ein Speichenbruch gegen die Folgen eines fast sich über die ganze Straßebreite auftürmenden großen Haufens von Mensch und Rad-Material? Überraschenderweise waren wohl Organisatoren und Erste-Hilfe-Kräfte in unmittelbarer Nähe. Nach einer kurzen Sperrung und einseitigen Räumung folgte dann die Aufforderung vorbei zu gehen und weiterzufahren. Die ganz kleine Acht konnte ich durch lockern des Bremszuges zwar nicht wett aber unschädlich machen.
Peter d.L. schrieb in der Mailing-Liste: Erst einmal Herzlichen Glückwunsch für die Ankunft. Da hast du ja Bobby McEwen schon etwas voraus.
Danke, aber nur mit etwas Glück ist es mir nicht so wie McEwen im späteren Profirennen ergangen.
Die mittlere Versorgungsstelle lief ich kurz an, um zwei volle Flaschen aufzunehmen, eine Banane und einige Riegel einzupacken. Im Gegensatz zum Vorjahr war die Versorgungsstelle fast leer, so dass ich gleich weiterfahren konnte.
Auf einer übersichtlichen und fast trockenen Abfahrt konnte ich überhaupt nur einmal meine Riesenübersetzung in Geschwindigkeitsvorteil umsetzen, um zur Überraschung der Normal- Rennradfahrern an ihnen vorbeizuschießen. Mein Birdy-red mit der nachträglich eingebauten 3 * 7 Schaltung mit dem 11-24 er Ritzel hatte ich vorne mit dem 60er Kettenblatt bestückt, so dass ich auch noch hohe Geschwindigkeiten gut treten konnte. Für die kurzen Hügelchen waren die reinen Berggänge nicht nötig.
An einer leichten Steigung bekam ich plötzlich einen Platten am Vorderrad, (interessanterweise ca. 100 m von der Stelle des Vorjahres entfernt, wo es mich am Rennrad erwischt hatte). Ein Ersatzschlauch hatte bisher immer für solche Touren gereicht und ich glaubte damit meinen Tribut an den Pannenteufel abgeleistet zu haben. Die neuen Schwalbe Renn-Mäntel "Stelvio" und Schläuche waren ja keine 200 km auf der Straße. Nach dem Wechseln ging es flott weiter. Erst im Zentrum Hamburgs muss man sich entscheiden, ob man nur noch wenige Kilometer die 119 km Strecke und damit gleich ins Ziel, oder noch eine Verlängerung für die 170 km Strecke fahren will. Da ich nun schon einmal durchgeregnet aber mir nicht kalt war, sollte die Zwischenzeit entscheiden. Da sie aber für mein Alter und meine Kondition viel zu gut war, kann es sich nur um einen Messfehler meines Tachos handeln und werde ich sie hier nicht veröffentlichen. Auf jeden Fall entschied ich mich trotz des Regens für die weitere Schleife. Mit gutem Tempo ging es weiter. Diese Runde fährt sich deshalb angenehmer, einmal, weil nicht mehr ganz so viele unterwegs sind, aber vor allem, weil nur noch solch geübte Radler die lange Strecke fahren, die die Mindestregeln von Gruppenfahren kennen und beherzigen, so dass bei sehr flotter Fahrt kaum riskante Situationen entstehen.
Wie Zabel im Profirennen hatte ich aber auch leider ein zweites mal Pannen-Pech: 25 km vor dem Ziel und keinen Mannschaftswagen der birdy-freunde war in der Nähe. Es fiel mir auf, weil es mir irgendwie schwerer wurde, Anschluss an die Gruppe zu halten und ich befürchtete schon, dass ich nach 140 km schwere Beine bekommen könnte. Aber bei einer kleinen Abfahrt wurde diese Befürchtung durch die Sorge ersetzt, einen Schleicher in einem der Reifen zu haben, der mich dann auch mit dem Birdy zu solch einem machte. Lange brauchte ich diese Sorge nicht zu hegen, bevor sie am Hinterreifen in Erfüllung ging. In einem Waldstück ca. 2 km vom nächsten Ort entfernt, stand ich mit dem verdreckten Birdy verärgert am Wegesrand und hatte meinen heilen Reserveschlauch schon für den Platten am Vorderrad gebraucht und kein weiteres Flickzeug dabei. Die vorbeifahrenden Rennfahrer anzusprechen war wegen ihrer Geschwindigkeit und der Reifengröße auch nicht sinnvoll. Da die Strecke autofrei war, konnte ich auch nicht bis in den nächsten Ort trampen. Also habe ich ein Pump-Etappenfahren gemacht: aufpumpen, schnell raufspringen, das Hinterrad im Wiegetritt entlastend 300 m fahren. Bei dieser Spezialwertung ging es um den Wettbewerb, ob Fahrer oder Reifen länger Luft hatten. Die Fahr-Intervalle verkürzten sich zum Ort hin. Eine nach der anderen schnellen Gruppe rauschte mit dem Geräusch von aufspritzender Gischt an mir vorbei. Kurz vor dem Ort winkte allerdings ein Fahrer aus dem Feld heraus sich zu mir umblickend herüber, fuhr dann sogar raus, drehte sogar und gab dieser zeitaufwendigen Panne einen guten Grund. Es war Stephan, mit dem wir viel im Harz herumgeradelt waren und den wir wegen seines Wohnortwechsels aus den Augen verloren hatten. Wir versprachen uns weiteren Kontakt und ich schickte ihn ins Feld zurück, da mir von ihm nicht zu helfen war. Trotz meines Ärgers über die "Schwalben am Birdy" musste ich in mich hinein schmunzeln, sogar diese Panne hatte etwas Gutes.
Schon an der zweiten Pforte saßen nette Leute unter einem Schirm und holten auf mein Nachfragen Flickzeug aus dem Fahrradschuppen. Während ich das Hinterrad ausbaute, wurden bei dieser Gelegenheit vom Herren des Hauses gleich beide Schläuche geflickt, was der Pannenhexe dann für die weiteren 25 km Fahrt doch wohl zu viel war. Nachdem ich mit meiner zu kleinen Pumpe an meiner Kraftgrenze bei weniger als 4 bar angelangt war, nahm ich meine sieben Sachen in die kleine Dreiecksrahmentasche, bedankte mich bei den hilfreichen Leuten und radelte weiter.
Am Rande der Strecke herrschte wirklich ein wenig Tour-Atmosphäre. Anfeuerung, wo doch mein Rennfeuer zwischendurch schon ein wenig im Pannenpech am Erlöschen war. Da die letzte Gruppe schon außer Sichtweite war, hatte eine Aufholjagd keinen Sinn und mir wurde die ungeteilte Aufmerksamkeit der teilhabenden Zuschauer über einige Kilometer zuteil. Birdy-FahrerInnen kennen die Bandbreite der Reaktionen, die der Anblick eines Birdys je nach Charakter hervorruft: Erstaunen, Mitleid oder Heiterkeit. Allein fahrend verstand ich natürlich viel mehr von den sich wiederholenden Kommentaren. Einige Bemerkungen brachten es auf den Punkt. Nur mein durchnässtes und bespritztes Äußeres verliehen mir Authentizität als wirklicher Teilnehmer der HEW-Cyclassics.
Es dauerte eine kleine Ewigkeit bis einige Fahrer zu mir aufrollten und mit denen ich dann bis ins Ziel fuhr.
Das Birdy diente mir dort besser als jeder andere Ausweis zur Identifikation. Nicht nur eine Freundin von Ulrike, die mit ihrem Birdy die 55 km Strecke gefahren war, erkannte mich daran, sondern viele Rennradler, denen ich irgendwo auf der Strecke aufgefallen war, interessierten sich für mein bescheidenes Ergebnis, das ich aber offiziell noch gar nicht hatte. Mein Tacho sparte ja die Zeiten der Pannen aus und verschönerte mir meine Werte beträchtlich, so erklärt sich eine ordentliche Differenz zur Durchschnittsangabe der offiziellen Messung ganz einfach.
Georg, Du fragtest in der Mailing-Liste: Das Birdy hat wohl am wenigsten gelitten, oder?
Na ganz sicher bin ich da nicht, weil es völlig eingedreckt war und das Sattelrohr beim Falten so kratzte, dass ich es nicht teleskopierte, sondern rauszog.
Überraschenderweise habe ich nach dem Abduschen des angespritzten Drecks weder den Hintern, noch den Nacken, sondern nur ein ganz wenig die Beine gespürt. Geärgert hatte mich natürlich das Platten-Pannen-Pech im Regen. Insgesamt aber waren die 5 Stunden und 5 Minuten doch wieder eine schöne Abwechslung und neue Erfahrung. Auf jeden Fall ist meine gefahrene Zeit im nächsten Jahr zu überbieten!
Detlef schrieb in der Mailing-Liste: Das ist ausgesprochen bemerkenswert und eine wirklich feiste Leistung - da kann man nur den Schnellspanner vor ziehen!
Also erst ich war noch nicht einmal so gut wie die im Mittelfeld angekommenen Teilnehmer, s.o. Und in so einem großen Pulk rollt man ja im Windschatten gut mit. Also Schnellspanner wieder lockern und im nächsten Jahr probieren!
| Veränderungen am Birdy |
Kommentar |
|---|---|
| - an: 60er Kettenblatt vorne | nicht nötig, 56er reicht völlig aus |
| - an: zweiseitige Klickpedale | nicht nötig, einfache Klickpedalen reichen |
| - ab: Gepäckträger | vorteilhaft, weil leichter |
| - ab: Schutzbleche | gut bei trockener Straße, weil schneller |
| - an: Hörnchen am Lenker | überflüssig, da man fast ausnahmslos bremsbereit sein muss |
| - an: Flaschenhalter | mindestens 2 sind nötig, weniger Boxenstopps |
| Ausrüstung: | |
| - Rad-Sportkleidung | - Sonnencreme |
| - Handschuhe | - 2 Ersatzschläuche |
| - Brillen/ Sonne und Regen | - neues Flickzeug |
| - SOS-Not-Info am Körper | - gute Pumpe, fest befestigt |
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