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www.birdy-freunde.de/events/cyclassics03-ber.html - ausgedruckt am 04.02.2012

[Bericht von Peter de Leuw (55 km) mit allen Ergebnissen] [Bericht von Brigitte Gehrmann (55 km)]
Von Peter de Leuw
Am 3. August 2003 war es wieder soweit: Zum achten Mal starteten in Hamburg die HEW Cyclassics - einerseits ein Weltcuprennen der Profis, das dem Ereignis die nötige Medienpräsenz verschafft, andererseits ein Jedermannrennen, auf dem die Jedermänner auf fast der gleichen Strecke vorherfahren.

Da gab es doch tatsächlich einige unentwegte, die dieses Rennen auf dem Birdy zurücklegen wollten. Einige, die sich über die Mailingliste verabredeten, aber auch mindestens einer, der das Vorhaben für sich ganz allein beschloss und nichts von den anderen wusste: Axel. Ich traf ihn bei der Startaufstellung, als ich mich gerade mit Brigitte unterhielt. Eine Stimme meldete sich von hinten: "Ha, ich sehe meinen Gegner!" Auch Axel war mit seinem Birdy red unterwegs zu seinem Startblock. Weil ja auch nur ein paar Tausend andere Radler unterwegs waren, traf ich ihn nach dem Rennen noch einmal.
Innerhalb von weniger als acht Wochen waren die 13.500 Startplätze vergeben. Wer zu lange zögerte, durfte nur noch als Zuschauer teilnehmen. Es standen Distanzen von 55, 120 und 170 km zur Auswahl. Rund 11.000 männliche Teilnehmer standen nur etwa 1.500 weiblichen Teilnehmern gegenüber. Etwa 5.500 der Angemeldeten wählten die 55-km-Strecke, die Mehrzahl von 8.000 die 120/170 km. Bei der Anmeldung musste man die Art des Rades angeben: Rennrad, Mountainbike, Tandem, Sonstige. In der offiziellen Statistik gehen die "Sonstigen", unter der das Birdy ja einzuordnen ist, bei den Trekking- und Tourenrädern unter, die mit 1.579 Stück bzw. 12 % etwas stärker als die Mountainbike-Fraktion (9 %) waren.
Die von den meisten Birdy-Fahrern gewählte 55-km-Runde führte aus der Innenstadt Hamburgs heraus nördlich der Elbe über Schenefeld, Pinneberg, Holm, Wedel, Blankenese und Altona wieder zurück in die Innenstadt, wo auf der Mönckebergstraße der Zieleinlauf war.

Das Höhenprofil dieser Strecke ist recht harmlos, schließlich sind wir in Hamburg, nicht in den Alpen. Trotzdem kostete mich besonders der sich über rund sechseinhalb Kilometer hinziehende Anstieg in Wedel einige Reserven. Warum das so war, dazu später.

Wer war noch dabei? Brigitte aus Wunstorf (auch Birdy red) hatte ich bereits erwähnt, Ihr Bericht steht unten. Dann noch Markus, der das Birdy red seiner Frau Ulrike fuhr. Sie war zurückgetreten wegen fortschreitender Schwangerschaft. Das Liegerad ist in einer solchen Situation dann doch bequemer - und damit darf man bei den Cyclassics nicht mitfahren. Ich fuhr mit meinem Birdy green. Leider starteten wir alle in unterschiedlichen Startblöcken, so war wärend der 55 km jeder auf sich allein gestellt.
Alex hatte sich für die 170 km-Runde entschieden. Sein Birdy bley (blue, aber wie das grey mit Rohloff-Nabe) war zur Wartung, deshalb fuhr er mit dem Birdy red seiner Freundin. Und dann eben noch Axel, der allerdings nicht im Team birdy-freunde angemeldet war.
55 km hatte ich also in (persönlicher) Höchstgeschwindigkeit zurückzulegen, und das ohne Training. Die einzige Vorbereitung war die Pasta-Party am Vorabend. Das Birdy selbst habe ich nicht besonders präpariert. Lediglich der Frontscheinwerfer musste dem Flaschenhalter weichen. Das vordere Schutzblech hatte ich auch noch abgenommen.
Ansonsten bin ich täglich rund zwei Stunden mit meinem Reiserad unterwegs, hinten einen Kinderanhänger samt Insassen dran. Das trainiert genug, hoffte ich. Auf Geschwindigkeit bin ich aber natürlich nie gefahren.
Mein Ziel: unter zwei Stunden für die 55 km.
Die Pasta-Party gab schon einen Eindruck, wie voll die Strecke am nächsten Tag werden würde:

In meinem Startblock E wimmelte es von Fahrern aus den Teams Jungheinrich und Nivea. Komische Blicke, fast schon Nase rümpfen beim Anblick meines Rades. Es sah auch wirklich nicht sehr schnell aus: Sogar Lichtanlage, Schutzblech und Gepäckträger waren noch montiert. Und ziemlich dreckig das ganze. Gegen die blitzenden, spartanisch ausgestatteten und leichten Rennräder konnte ich nicht anstinken. "Na ja", denke ich mir, "gleich werden wir ja sehen, ob das Equipment alles ist!"
Ich hörte den zweiten Startschuss. Block B, dachte ich mir. Doch plötzlich schwangen sich alle im Block E auf die Räder. Waren doch glatt drei Startblocks gestartet, ohne dass ich es gehört habe! Also, auf geht's. Langsam rollt der Block an. Der "Stadionsprecher" redet unaufhörlich: "Hier hat jeder eine Chance! Auch das Tourenrad. Und das Tandem dort. Und ein Klapprad darf auch mit!" Ha! Ich hab's gehört! Er hat mich gesehen und registriert in dem Gewusel aus lauter Rennrädern! Nun aber vorwärts, 55 km sind zu schaffen, und irgendwo wartet mein persönlicher Fanclub an der Strecke.
Die ersten zwei Kilometer waren recht gemütlich. Zwischen 25 und 29 km/h zog sich das Feld der 500 Fahrer im Startblock zunächst etwas auseinander. Als dann genug Luft war, wurde das Tempo angezogen. Ich fand mich in einer Gruppe wieder, die eine Geschwindigkeit jenseits der 40 km/h fuhr. Nach 5 oder 6 km dachte ich mir: "So kann das nicht weitergehen, sonst brichst du nach der halben Strecke zusammen." Schließlich gibt die Nabenschaltung des Birdy green in Kombination mit 52er-Kettenblatt und 12er-Ritzel nicht wesentlich mehr als 35 km/h bei annehmbarer Trittfrequenz her. So fuhr ich also eine Weile mit viel zu hoher Trittfrequenz. Die Federung des Hinterrades konnte ich deshalb auch deutlich schaukeln spüren.
Nach rund 8 km sichtete ich auf einer Brücke meinen Fanclub:
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| Da ist er ja endlich! | Mit dem Fahrrad? Dass ich nicht lache! |
Nach gut 10 Kilometern regulierte sich die Geschwindigkeit dann auf 37 bis 39 km/h ein. Inzwischen hatte sich eine größere Gruppe aus dem Startblock E in eine ungefähr genau so große Gruppe aus dem vorher gestarteten Block D gemischt. Das Tempo war angenehm zu fahren, ich hatte das Gefühl, ohne größere Probleme durchhalten zu können. So lief es dann noch einige Zeit. Die letzten aus den Blöcken C, B und sogar A ließen wir hinter uns. Auch zwei Promis (wer auch immer das war...), die ganz zu Anfang starteten, sahen uns nur noch von hinten.
In einer Kurve wurde ich plötzlich von rechts und links in die Zange genommen. Um zwei Zentimeter konnte ich einer Kollision entgehen. Das hieß für mich: Vor den Kurven mehr Platz verschaffen, auch wenn es Windschatten und ein paar Sekunden kosten sollte. Später dann, kurz vor der Verpflegungsstelle bei 32 km, konnte ich den Zusammenstoß nicht mehr verhindern. Auf gerader Strecke wurde ich von links bedrägt, pendelte deshalb nach rechts und geriet mit der Mutter meiner Vorderradachse in das Hinterrad meines rechten Nachbarn. Ich zerriss ihm einige Speichen, das Hinterrad war also hin, die Weiterfahrt für ihn ausgeschlossen. Zumindest sind wir nicht gestürzt, ich konnte weiterfahren. Ich verlor aber durch den Zwangsstopp meine Gruppe. Also musste ich mich zunächst allein im Wind an die nächstgelegene Gruppe heranfahren. Die fuhr mit um die 30 km/h aber zu langsam. Ständiges Bremsen macht nun auch keinen Sinn... Also immer wieder raus in den Wind und überholen. Dann kamen die Berge, zumindest das, was man hier in Hamburg so bezeichnet. Hier merkte ich deutlich, dass die Aufholjagd an meine Reserven gegangen ist. Ich war zwar nicht der Langsamste, aber die Überholer überwogen deutlich. Es gab einige Steigungen hintereinander mit nur schwachen Gefällstrecken dazwischen. Es fehlte mir eine Erholungspause. Am rechten Rand sah ich immer wieder Rennradler, die ihr Rad schoben. So weit wollte ich es nicht kommen lassen. Die Zuschauer feuerten uns alle an, das motivierte. Durchhalten, der Gipfel kommt bestimmt...
Dann endlich ein längeres Gefälle. Ich konnte wieder auf die Überholspur gehen und machte etwas Zeit gut. Jetzt lief es wieder gut für mich, auch auf ebener Strecke. Ich sah wieder einige aus meiner ursprünglichen Gruppe. Die Steigungen haben sie wohl auch auseinandergerissen.
An der Strecke sah ich mindestens zwei Zuschauer mit einem Birdy und zwei weitere mit einem Brompton. Auch ein Helfer lief mit einem Birdy an der Strecke herum. Vielleicht entschließen sie sich beim nächsten Mal für den Wechsel der Fronten?
Die letzten Kilometer lagen vor uns. Ich hing mich immer wieder an Überholer und konnte so Zeit gutmachen, ohne direkt im Wind zu fahren. An der Elbchaussee noch einmal eine Steigung, dann die letzten Kurven durch die Stadt. Endlich das Ziel - und das in deutlich unter zwei Stunden!

Mit einer anderen Übersetzung, also einem dem Anlass angepassten Kettenblatt und vor allem ohne Zwangsstopp durch die Kollision auf halber Strecke wäre noch mehr drin gewesen.
Nach dem Rennen traf ich nicht nur Axel wieder, sondern auch ein paar andere, die mit mir im Startblock standen, zeitweise mit mir zusammen in der Gruppe gefahren sind, oder die als Zuschauer im Startbereich standen. Die teilweise eigenartigen Blicke schlugen um ich respektvolle Blicke... Es kommt eben nicht darauf an, auf was für einem Fahrrad man sitzt, sondern wer darauf sitzt!
Rund zweieinhalb Stunden nach meiner Ankunft hatte ich dann mein offizielles Ergebnis per SMS auf dem Display:

aller identifizierten Birdy-Fahrer:
Gesamtwertung
Kategorie Rang Name Jg Land/Ort Team Zeit Rückstand Stnr km/h | 55/Msen1 752. de Leuw Peter 67 Hamburg Birdy-Freunde 1:37.31,7 17.03,4 (11769) 33,959 | 55/Fsen3 7. Gehrmann Brigitte 52 Wunstorf Birdy-Freunde 1:44.21,6 5.55,0 (15678) 31,736 | 170Msen1 831. Gottfried Alexander 71 Frankfurt am Main Birdy-Freunde 5:10.20,4 1:12.07,4 (8501) 33,041 | 55/Msen1 657. Golumbeck Axel 70 Lüneburg 1:36.26,6 15.58,3 (15112) 34,341 | 55/Msen1 1365. Tietz Markus 65 Hamburg Birdy-Freunde 1:47.56,8 27.28,5 (15679) 30,681 |
Wertung nach Strecke
55 km Männer (4.465 Klassierte)
Rang Name Jg Land/Ort Team Zeit Rückstand Stnr Kat/Rang km/h | 1430. Golumbeck Axel 70 Lüneburg 1:36.26,6 15.58,3 (15112) 55/Msen1 665. 34,341 | 1623. de Leuw Peter 67 Hamburg Birdy-Freunde 1:37.31,7 17.03,4 (11769) 55/Msen1 752. 33,959 | 3089. Tietz Markus 65 Hamburg Birdy-Freunde 1:47.56,8 27.28,5 (15679) 55/Msen1 1365. 30,681 |
55 km Frauen (1.092 Klassierte)
Rang Name Jg Land/Ort Team Zeit Rückstand Stnr Kat/Rang km/h | 296. Gehrmann Brigitte 52 Wunstorf Birdy-Freunde 1:44.21,6 23.20,4 (15678) 55/Fsen3 7. 31,736 |
170 km Männer (1.878 Klassierte)
Rang Name Jg Land/Ort Team Zeit Rückstand Stnr Kat/Rang km/h | 1708. Gottfried Alexander 71 Frankfurt am M Birdy-Freunde 5:10.20,4 1:12.28,1 (8501) 170Msen1 836. 33,041 |
Wertung nach Altersklassen
55 km Senioren I (1.884 Klassierte)
Rang Name Jg Land/Ort Team Zeit Rückstand Stnr Overall km/h | 665. Golumbeck Axel 70 Lüneburg 1:36.26,6 15.58,3 (15112) 55/M 1430. 34,341 | 762. de Leuw Peter 67 Hamburg Birdy-Freunde 1:37.31,7 17.03,4 (11769) 55/M 1640. 33,959 | 1375. Tietz Markus 65 Hamburg Birdy-Freunde 1:47.56,8 27.28,5 (15679) 55/M 3109. 30,681 |
55 km Seniorinnen III (75 Klassierte)
Rang Name Jg Land/Ort Team Zeit Rückstand Stnr Overall km/h | 7. Gehrmann Brigitte 52 Wunstorf Birdy-Freunde 1:44.21,6 5.55,0 (15678) 55/F 297. 31,736 |
170 km Senioren I (909 Klassierte)
Rang Name Jg Land/Ort Team Zeit Rückstand Stnr Overall km/h | 836. Gottfried Alexander 71 Frankfurt am Main Birdy-Freunde 5:10.20,4 1:12.07,4 (8501) 170/M 1708. 33,041 |
Teamwertung (403 Klassierte)
253. Birdy-Freunde 6:55.43,3
11769 De Leuw Peter Hamburg 55/Msen1 1:37.31,7 762.
15678 Gehrmann Brigitte Wunstorf 55/Fsen3 1:44.21,6 7.
15677 Pompsch Christian Hamburg 55/Mann 1:45.53,2 395.
15679 Tietz Markus Hamburg 55/Msen1 1:47.56,8 1375.
Christian Pompsch hat den Startplatz eines anderen Birdy-Fahrers übernommen und fuhr kein Birdy. Axel war nicht für das Team angemeldet, er wusste nicht davon. Alex taucht in der Teamwertung auch nicht auf, weil er eine andere Strecke fuhr. Auf der 170-km-Strecke fehlten drei Fahrer, um ein Team zu bilden. Vielleicht im nächsten Jahr?
Von Brigitte Gehrmann
Mein Startblock M bei der 55km-Strecke war wirklich der letzte in der Reihe. Die 1 Stunde Wartezeit bis zum Start kam mir sehr lang vor, obwohl ich das Glück hatte, die Stunde im Schatten stehen zu können. Als es endlich losging, war ich richtig froh. Da ich das erste Mal mitfuhr, habe ich immer virtuell den Besenwagen im Rücken gespürt, was doch ein gewisses Maß an Stress verursacht. Mit Sicherheit kamen keine weiteren Blöcke von hinten, so dass ich von Anfang an mit schnelleren Gruppen mitgehen musste, um nicht hinten raus zu fallen. Mein Grobziel war unter 2 Stunden zu fahren, deshalb stelle ich mir auch nicht den Kilometerstand ein, sondern die Uhrzeit, das reicht völlig.
Die ersten Kilometer vergingen wie im Fluge. Da ich so viele Horrorgeschichten über Stürze gehört hatte, war meine Konzentration sehr intensiv auf die anderen Radfahrer vor und neben mir, so dass ich die Strecke nicht sehr genau wahrgenommen habe. Das änderte sich erst draußen auf dem Land, wo ich aber auch direkt einen Radfahrer mit Gesichtsverletzungen gesehen habe, der gerade im Sanitäterzelt saß.
Ich fuhr immer fleißig hinter den schnelleren Gruppen her, so dass wir nach und nach Fahrer aus den Blöcken L, K, J, I, einholten. Ich wusste, dass Peter weit vorne im Block D oder E gestartet war und dachte, vielleicht habe ich ja Glück und sehe ihn irgendwo noch, aber so weit sollte es nicht kommen. Immer wenn Leute am Straßenrand sagten, da ist ja noch so ein Fahrrad, dachte ich, Peter kann nicht mehr weit sein. Aber um 7 Minuten aufzuholen, hätte ich ziemlich schnell fahren müssen.
Wenn ich mit meinem M-Schild auftauchtet, gab es auch Fahrer unterwegs, die meinten, dass wird ja gar kein schlechter Schnitt. Als wir an die kleinen Steigungen kamen, war ich doch erstaunt, wie viele da hochschoben. Da ich die Strecke nicht kannte, bin ich kräfteschonend gefahren, um auch noch weitere Hügel fahren zu können, aber es kamen nur noch rasante Abfahrten. Ich kann mich nicht erinnern mit dem Fahrrad von der Reeperbahn bis zur Mönckebergstraße jemals so schnell durchgekommen zu sein, aber das hat mir gut gefallen. Schön fand ich auch das sogenannte Gänsehautfeeling auf der Mönckebergstraße.
www.birdy-freunde.de/events/cyclassics03-ber.html - ausgedruckt am 04.02.2012