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www.birdy-freunde.de/events/origami/koeln-060917.html - ausgedruckt am 08.09.2010

Rheinische Origami-Tour – 1. Westfälische Origami-Tour

Tour de Ruhr – Industriekultur am Rhein-Herne-Kanal

17. September 2006

 

Von Reiner John, Fotos: Jan Berkelder, Reiner John
Angekündigt hatte unser ständiger "Rheinischer" Origami-Organisator Bernd Kloeckner diese Tour mit Start und Ziel in Dortmund als 11. Rheinische Origamitour, obwohl sie erstmals in Westfalen stattfand. Ich habe den Titel daher auch etwas abgeändert. Leider konnte Bernd wegen Krankheit seiner Frau nicht teilnehmen, so dass ich für den Bericht "ausgeguckt" wurde. Wir wünschen Dorothee gute Besserung!

Die Tour vorbereitet und vorher mehrmals abgefahren hat Bromptonfahrer Michael Pastoors aus Düsseldorf, dem hiermit unser aller Dank gebührt. Weiterhin beteiligt waren seine Freundin Gitta Lanfermann aus Lünen, die als einzige mit einem Normalrad fuhr – einem erst einen Tag alten Gazelle Orange –, die "Bromptonautin" Alessia Mainardi als einzige Dortmunderin und "Bromptonaut" Roland Elsenberg aus Neuss, unsere treuen niederländischen Birdy-Freunde Mirjam Salomé und Jan Berkelder sowie der Autor aus Erftstadt mit seinem Birdy green. Damit war bei den Falträdern Gleichstand zwischen Brompton und Birdy erreicht.

Vor dem Bahnhof in Dortmund
Vor dem Bahnhof in Dortmund: v.l. Alessia, Roland, Mirjam, Jan, Gitta und Michael.

Leider gestaltete sich wegen Unzuverlässigkeiten der Deutschen Bahn die Anreise sehr zäh, so dass die geplante Startzeit um mehr als eine Stunde nach hinten verschoben werden musste. Das stellte sich später als sehr nachteilig für unsere Besichtigungen heraus. Während der Wartezeit auf die letzten Ankömmlinge wurden natürlich schon heftige technische Gespräche vor dem Dortmunder Hauptbahnhof geführt, auch um die Wartezeit zu verkürzen. Alessia war unzufrieden mit der Performance ihrer Schaltung und suchte Rat bei Roland. Ihre Frage, ob eine Kettenschaltung besser sei, beantwortete der Nabenschaltungsbefürworter mit dem unnachahmlichen Satz: "Also: Kettenschaltung ist irgendwie wie evangelisch sein ..." Hoffentlich kommt er später auch in den Himmel.

In der Wartezeit machte uns Alessia außerdem mit dem Dortmunder Fahrradhaus-Projekt bekannt. Beim Fahrradhaus handelt es sich um ein Rund-Holzhaus, in dem insgesamt 12 Räder Platz finden. Die Fahrradhäuser werden durch Sponsoren und die Stadt subventioniert, die Stellplätze für die Räder werden verkauft (einmalig zur Zeit 150 Euro). Nähere Informationen darüber gibt es beim VCD Dortmund.

Fahrradhaus
Alessia, Jan und Gitta vor dem Fahrradhäuschen

In Hamburg gibt es diese Fahrradhäuser schon seit 2001. Dortmund hat sich mit dem Projekt beim Wettbewerb "Best for Bike" vom VSF, dessen Sieger anlässlich der IFMA 2006 ermittelt wurde, beworben und ist bei 60 Bewerbern unter die letzten fünf Projekte in die Endausscheidung gekommen, wo schließlich die Stadt Wesel den ersten Preis davongetragen hat. Ein Beispiel an diesem Projekt könnte sich Köln nehmen, das vom Kölner Stadtanzeiger als "Hauptstadt der Fahrradleichen" tituliert wurde ("Neue Räder gibt es bei der IFMA"). Gott sei Dank haben wir daher Falträder.

Bei schönstem Sonnenschein ging es dann tatsächlich gegen 11:30 Uhr los. Wir fuhren die ersten Kilometer durch Innenstadtstraßen, teilweise mit Fahrradwegen, erreichten dann die B1, den südlichsten Punkt der Tour, auf der wir einige Eisenbahnlinien überquerten. Bald wurden aber die Außenbezirke Dortmunds und grüne Wälder erreicht.
Überhaupt ging diese Tour überraschenderweise vorwiegend durch eine sehr "grüne" Landschaft und die Umgebung sah keineswegs aus, als befände man sich im größten Industrierevier Deutschlands. Im weiteren Verlauf kamen wir an der Hallerey vorbei, einem idyllischen Naturschutzgebiet mit einem See, der eine durch Bergschlag entstandene Senke am Rande des Revierparks Wischlingen mit Grundwasser ausfüllt. Hier findet man seltene Vögel wie Blesshühner, Graureiher, Kormorane, aber auch Großschmetterlinge und seltene Amphibien wie Kammmolche und Erd- und Geburtshelferkröten. Daher steht dieser See unter Naturschutz und ist ein beliebtes Ausflugsziel für die Dortmunder.

Kormorane
Kormorane in der Hallerey

Weiter ging es dann durch parkähnliche Landschaft in Richtung des Stadtteils Bövinghausen. Der nächste Höhepunkt der Tour war das Haus Dellwig. Dieses Wasserschloss im Dellwiger Bachtal im Stadtteil Lütgendortmund wurde im 13. Jh. errichtet, im 30jährigen Krieg zerstört und bis 1690 wieder aufgebaut. Heute beherbergt es das Heimatmuseum von Lütgendortmund und gehört der Stadt Dortmund. Danach führte uns unser Weg zur nicht weit entfernten Zeche Zollern II/IV, einem stillgelegten Steinkohle-Bergwerk, das ein Museum beherbergt. Der Bau ist architektonisch höchst bemerkenswert. Aus Zeitgründen mussten wir aber leider darauf verzichten, dieses Industriedenkmal zu besichtigen. Vielleicht gelingt dies bei weiteren Westfälischen Origamitouren, denn wir haben bereits den Vorschlag von Jan angedacht, im nächsten Jahr eine weitere Tour im Ruhrgebiet zu planen, die dann vielleicht bei Firma Hase in Waltrop endet und das rein zufällig, wenn diese ihren Tandem-Event veranstalten.
Anschließend legten wir in "Lissis Reiterstube" am Holter Weg eine kurze Rast ein, nahmen je eine große Apfelschorle zu uns und das willkommene WC in Anspruch.

Wir fuhren dann weiter in Richtung Bochum-Gerthe gen Westen, bogen um nach Norden Richtung Castrop-Rauxel. Nächste Station dort war gegen 14 Uhr das Schloss Bladenhorst, das wir uns allerdings nur von außen ansahen.

Vor Schloss Bladenhorst
Vor Schloss Bladenhorst: v.l. Reiner, Mirjam, Alessia, Michael, Roland, Gitta.

Entlang des Rhein-Herne-Kanals ging es schließlich weiter nach Waltrop zum berühmten Schiffshebewerk Henrichenburg an der Kreuzung des Rhein-Herne- und des Dortmund-Ems-Kanals. Dieses ist der älteste Bestandteil des so genannten "Schleusenparks Waltrop", der aus zwei Schiffshebewerken, zwei Schleusen und einer ehemaligen Siedlung für Angestellte des Hebewerks besteht. Es wurde in der Zeit von 1894-98 erbaut und von Kaiser Wilhelm II feierlich eingeweiht. Durch dieses Bauwerk wurde technisches Neuland betreten. Die Hütten- und Stahlwerke der Region brauchten eine verkehrsgünstige Anbindung an den Rhein und in besonderem Maße auch an die Nordsee, da neue metallurgische Verfahren hochwertiges ausländisches Erz benötigten, um konkurrenzfähige Produkte herzustellen. Die Lage dieses neuen Schiffhebewerks am Schnittpunkt Rhein-Herne- und Dortmund-Ems-Kanal war dafür wie geschaffen.

Zunächst plante man ein neues Schleusensystem, das den Schiffen helfen sollte, die 14 Meter hohe Geländestufe zu überbrücken. Doch diese Lösung scheiterte an dem zu großen Wasserverlust des Dortmund-Ems-Kanals bei Inbetriebnahme weiterer Schleusen, weil er keinen natürlichen Zufluss hat. Darüber hinaus schlugen auch die Kosten für das dafür benötigte aufwändige Pumpsystem enorm zu Buche, so dass man sich für die Hebewerktechnik entschied.

Die Hebewerkvorrichtung funktioniert nach dem Prinzip des Auftriebs:
Die Schiffe fuhren in den Hebewerktrog ein, der mit einer Länge von 68 Metern, einer Breite von 8,6 Metern und einer Tiefe von 2,5 Metern den Maßen eines Dortmund-Ems-"Normalkahns" entsprach. Der Trog war auf fünf mit Luft gefüllten Schwimmern gelagert, die ihrerseits wiederum in 40 Meter tiefen wassergefüllten Brunnen standen und in diese eintauchten. Das Schiff verdrängte im Trog die Menge an Wasser, die seinem Gewicht entsprach; so war es also irrelevant, ob sich ein Schiff im Trog befand oder nicht: Der Trog hatte immer dasselbe Gewicht und wurde beständig durch die Schwimmer in den Brunnen getragen. Der eigentliche Hebe- oder Senkvorgang wurde dann durch vier Gewindespindeln aus Stahl an jeder Ecke des Troges mit einem Außendurchmesser von 280 Millimetern und einer Länge von über 20 Metern vorgenommen und dauerte inklusive Ein- und Ausfahrt des Schiffes 2 mal 12,5 Minuten und war damit deutlich schneller als mit den damals üblichen Schleusen. Das reichlich verzierte Stahlfachwerkgerüst mit seinen vier imposanten Türmen diente dabei als Führungsgerüst.

Das gleiche Prinzip der Konstruktion wurde auch am neuen Hebewerk von 1962 verwendet, jedoch mit nur noch zwei Schwimmerschächten und Schwimmern. Das neue Hebewerk steht jetzt zur Schließung an, weil Gelder für die notwendige Sanierung fehlen.

Nach der Inbetriebsetzung des neuen Hebewerkes wurde das alte Hebewerk nach kurzer Zeit stillgelegt. Ein Jahr später (1963) versuchte man eine Wiederinbetriebnahme. Dabei stellte sich heraus, dass sich der Trog auf halbem Wege verkantet hatte und sich in keine der beiden Endlagen bewegen ließ. In diesem Zustand ist das Hebewerk bis heute verblieben und nach weiteren 30 Jahren als Museumsstück konserviert worden.

Die Restaurierung, die 1982 begann, ließ das technisch und optisch interessante Bauwerk noch einmal – obzwar funktionslos – in altem Glanz erstrahlen, so dass es 1992 im Rahmen des Westfälischen Industriemuseums wieder eröffnet werden konnte. Es ist seither ein zentraler Ankerpunkt der Route der Industriekultur.

Wir haben auch hier auf eine Besichtigung verzichtet, weil die Zeit bereits relativ weit fortgeschritten war und wir an den Rückweg nach Dortmund längs des Dortmund-Ems-Kanals denken mussten. Das Wetter drohte inzwischen auch umzuschlagen, denn es zeigten sich bereits dunkle Wolken am Himmel.

Alte Schachtschleuse
Roland, Mirjam, Alessia, Gitta und Michael im Café Kortmann neben der alten Schachtschleuse

Nichtsdestotrotz gingen wir erst einmal in den Garten des wunderschönen Cafés Kortmann gleich neben der (alten) Schachtschleuse Henrichenburg, und ließen uns dort den mächtigen und leckeren Kuchen und andere Speisen schmecken. Leider musste uns Alessia hier vorzeitig verlassen, weil sie in Dortmund um 17 Uhr ankommen musste, um von ihrem Mann die Kinderbetreuung zu übernehmen.

16:40 Uhr starteten wir wieder Richtung Dortmund auf dem weitgehend ebenen Uferweg des Dortmund-Ems-Kanals. In Dortmund durchquerten wir den Fredenbaumpark und gelangten gegen 17:30 Uhr am Hauptbahnhof in Dortmund an. Wir hatten damit auf unserer Tour 56 Kilometer zurückgelegt. Es war eine wunderschöne Radtour, die wir gerne im nächsten Jahr in ähnlichem Rahmen wieder mitmachen würden, allerdings dann mit etwas mehr Zeit für kulturelle Höhepunkte (was aber nicht an der Organisation lag, sondern an der Deutschen Bahn, die sich auch bei der Rückfahrt als ziemlich unzuverlässig erwies). Recht herzlichen Dank möchte ich Michael Pastoors, der diese Tour vorbildlich vorbereitet hat, auch im Namen meiner Mitfahrer aussprechen.

 

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© 2006 - letzte Aktualisierung: 09.10.2006
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