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www.birdy-freunde.de/faltradkultur/faltradmobilitaet.html - ausgedruckt am 08.09.2010
Die Frage darf niemals lauten: Wie schränken wir den Autoverkehr ein? Sondern wir müssen fragen: Wie erreichen wir für den Tag für Tag anschwellenden motorisierten Verkehr die größtmögliche Beweglichkeit? Die Straße - unser Schicksal, Bilddokumentation von 1964 |
Das Auto ermöglicht es wenigstens an den Wochenenden, der tristen betonierten Umgebung zu entfliehen und die Innenstädte den Gastarbeitern zu überlassen. Stuttgarter Zeitung 19.11.1973 |
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| Robert Lemke (1913-1989), deutscher Journalist und Moderator ("Was bin ich") hat demgegenüber bereits erkannt: " Die größte Gefahr im Verkehr sind Autos, die schneller fahren, als ihr Fahrer denken kann." |
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Als Faltradfahrer haben wir die Möglichkeit, diesem Wahnsinn zu entfliehen und unseren Beitrag zu lebenswerteren Städten zu leisten. |
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von Ulrich Gehrmann
Die Mobilität des herkömmlichen Fahrrades wird beim Faltrad durch die Faltbarkeit um die Vorzüge der verschiedensten Mobilitätsformen anderer Verkehrsmittel bereichert.
Die bekannten Vorzüge der Fahrradmobilität in Verbindung mit schneller Faltbarkeit und einfacher Mitnahmemöglichkeit in fast allen anderen Verkehrsmitteln erlaubt eine neue Form der "Mobilität durch das Faltrad". Das Herausragende der Faltradmobilität liegt in den vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten der Vorzüge anderer Verkehrsmittel durch die schnelle Verkleinerung des Rades und die elegante radfahrende Überbrückung von Mobilitätslücken durch Entfaltung und Vergrößerung des Rades. Mit dem Faltrad können schlechte Rad-Infrastrukturen und größere Entfernungen im Vergleich zu einem normalen Fahrrad sehr viel leichter mit Hilfe anderer Verkehrsmittel "übersprungen" werden. Der Fahrspaß entwickelt sich, wenn das Faltrad nicht nur über längere Strecken beschwerdefrei und leicht wie ein "ausgewachsenes" Rad zu radeln ist, sondern schnell und sauber faltbar, gut über weite Übersetzungsbereiche schaltbar, komfortabel gefedert, wendig aber kursstabil lenkbar, trotzdem leicht tragbar ist. Da Falträder insbesondere auf ein geringes Packmaß konstruiert werden, haben sie fast alle ausgefallene Rahmenformen und benötigen spezielles Zubehör, das zumeist auch nur zu den einzelnen Modellen wirklich passt. Das Faltrad als System entfaltet erst im Zusammenhang mit speziellem passgenauem Zubehör von zusammengehörenden und zusammenwirkenden Mosaikbruchstücken die volle Vielfalt der Faltradmobilität.
In den 70er Jahren gab es den Traum von der autogerechten Stadt. Das Auto war dabei, sich zum Volksgut zu entwickeln. Das "Automobil" hat sich in einigen Bereichen und Zeiten zu einer zuverlässigen "Immobilie" gemausert und prägt unsere Lebensräume gerade in Ballungsräume häufig negativ. Um wieder Luft zu bekommen und die Gesundheit zu erhalten, brauchen wir Alternativen zur Automobilität. Eine haben wir schon lange in der Fahrradmobilität.
Das Narrenlob des Fahrrades gipfelt in seiner menschenwürdigen Mobilität, d.h. es ist eine demokratische und keine autoritäre Technik, weil es allen Menschen diese Fortbewegung von den Finanzen und vom Verkehrsraumanspruch erlaubt, ohne mit dem Gebrauch die Mitmenschen zu belästigen, was von fast allen anderen Personentransportsystemen nicht behauptet werden kann. Fahrräder sind Muskelkraftmaschinen, mit denen Menschen über die Pedale Kraft in Fortbewegung umsetzen. Das Fahrrad muss in vielerlei Aspekten dem Menschen anzupassen sein, weil nur das den ökonomischen Umgang mit der menschlichen Kraft bedeutet.
Technisch überwindet der Mensch mit Hilfe des Fahrrades die Evolution, was die physikalische Leistungsfähigkeit der Fortbewegung im Verhältnis zum Energieeinsatz betrifft.
Die Geschichte des Fahrrades ist immer zugleich eine Sozial- und Technikgeschichte: Die Eisenbahn war in ihrer technischen Entwicklung dem Fahrrad vorausgegangen und hatte ihm dann den Weg frei gemacht, um später mit seinen tariflichen Beschränkungen der Radbeförderung einen den Bedingungen angepassten Fahrradtyp - das Faltrad - hervorzubringen. Das theoretisch optimale Zusammenspiel von Bahn und normalem Fahrrad funktioniert nur noch eingeschränkt.
Das Militär nutzte die praktischen Funktionen von tragbaren Falt- und Zerlegerädern, die sich allerdings nicht im zivilen Bereich durchsetzten.
Nach dem anfänglich wirtschaftlich erfolgreichen, mit seiner Funktion aber gescheiterten autokonformen Versuch der 70er mit dem unhandlichen, schweren und wenig verkleinerbaren Klapprad gibt es seit Mitte der 80er wieder vielversprechende Konstruktionen mit ausgeklügelten Faltmechanismen.
Nachdem mit dem Klassiker Moulton aus England bewiesen wurde, dass kleine Laufräder kombiniert mit einer Vollfederung nicht unbedingt schlechter laufen müssen, hat sich bei den Konstruktionen einiges getan. Ursprung für die Entwicklung des heutigen Faltradtyps war England, weil die Fahrradmitnahme bei der Britisch Rail den halben Fahrpreis einer Personenfahrkarte kostete. Zusammengeklappte Räder wurden dort als Handgepäck kostenfrei akzeptiert und hießen auch Portable. Das Gepäckfachmaß in den Bahnhöfen war z.B. die Maßvorgabe für den Entwickler des Brompton, Andrew Ritchie. Logischerweise kann und konnte das Ergebnis nur ein Kompromiss zwischen Packmaß und Fahrkomfort sein. Demgegenüber waren die maximal erlaubten Ausmaße von Gepäckstücken bei Fluggesellschaften die Konstruktionsbegrenzungen für das Bike Friday (USA) in seinem kleinstem Verpackungszustand. Der Spezialkoffer dazu dient mit Laufrädern versehen unterwegs sogar als Fahrradanhänger.
Kennzeichnendes Merkmal von faltbaren Objekten ist die Nutzungserweiterung von Gegenständen, weil sie auf die eine oder andere Art für den Gebrauch vergrößert - aufgeklappt / entfaltet - werden und ihre Funktion dann voll erfüllen können. Aber bei Nichtbenutzung zur Lagerung und Aufbewahrung können sie wieder verkleinert - zugeklappt / zusammengefaltet werden und platzsparend verschwinden.
Mit einer richtungsweisenden Definition für die Faltradfunktion gibt Gunnar Fehlau in seinem Buch "Das Modul-Rad" wohl das wesentlichste Element an: "... kleines und handliches Fortbewegungsmittel, mit dem Otto Normalverbraucher die Lücke zwischen dem Laufen und dem Benutzen eines öffentlichen Verkehrsmittels oder Autos schließen kann." Sinn und Zweck von faltbaren Rädern ist letztlich immer die Raumersparnis durch Größenverkleinerung für die Mitnahme in schnelleren Verkehrsmitteln und Vergrößerung bei der Nutzung, wobei der Faltvorgang mit einem vertretbaren Zeit- und Arbeitsaufwand geschehen muss.
Falträder besitzen diese Fähigkeit zur situativen Anpassung an die Verkehrsmittelwahl typbedingt durch Verwandlung in ein Handgepäckstück. Damit sind Falträder "intelligente" Objekte mit der Fähigkeit, ihre Größe den Erfordernissen des praktischen Bedarfs anzupassen. Sie haben zwei sinnvolle Zustandsformen, die nach der Beanspruchung auch als passiver und aktiver Zustand bezeichnet werden können, denn je nach Bedarf wachsen oder schrumpfen sie. Größenanpassung zur Erfüllung bestimmter Funktionen ist in der Natur ein altes - evolutionäres - Prinzip.
In Kombination mit anderen Verkehrsmitteln ist das Faltrad einem Beiboot von einem Mutterschiff vergleichbar, das für spezielle Gewässer und zum Anlegen benötigt wird. Nicht umsonst haben auch viele Bootsfahrer Falträder an Bord. Gerade auch die Automobilität erfährt durch ein immer verfügbares im Kofferraum sicher aufbewahrtes Faltrad neue Dimensionen. Auch lässt sich heute die zum Albtraum verkommene Idee des Klapprades aus den 70er Jahren jetzt mit Freude leicht realisieren: Mit modernen Falträdern im Kofferraum lassen sich attraktive Radelgebiete ansteuern und nach kurzer Rüstzeit eine Faltradtour starten.
Alle Falträder sind auf ein Packmaß hin optimiert und haben entsprechend eigenwillige Rahmenformen, die leider die Verwendung von Standard-Fahrradteilen und Zubehörteilen, wenn schon nicht erlauben, so doch zumindest erschweren, was eine große Abhängigkeit vom Hersteller bezüglich des Zubehörs nach sich zieht. Selbst die Faltradhersteller scheinen sehr unterschiedliche Vorstellungen von einem vermarktbaren Produkt zu haben. Das untere Preissegment bietet kaum den Plastik-Überwurf für den Transport in der Bahn. Hersteller von höherwertigen Falträdern sind eher Systemanbieter mit dem Faltrad im Zentrum aber mit vielen puzzlegerechten Spezialzubehörteilen herum. Nur mit gut geeignetem Zubehör lässt sich das ganze Nutzungsspektrum "erfahren". Der erzielbare Grad der Faltradmobilität erklärt sich also nicht nur durch Unterschiede in den Qualitäts- und Preisklassen der Falträder selbst, sondern ebenso durch das für ein spezielles Faltradmodell passende Zubehörangebot. Je besser die technische Ausstattung des Faltrades, d.h. leider auch tendenziell teurer das gewählte Modell ist, um so vielfältiger und erfreulicher werden die Nutzungen sein. Leider gibt es nur wenige Hersteller, die wirklich ein System-Faltrad anbieten.
Bei oberflächlicher Betrachtung erinnern von der Konstruktion her z.B. das Birdy und auch das Brompton mit ihren Einrohrrahmen an die alten für die Mitnahme im Auto gebauten billigen, für beabsichtigten Zweck ungeeignete Klappräder der 70er. Ganz auffällig sind heute raffinierte Faltelemente an höherwertigen Faltradtypen. Jedes gut gebrauchstüchtige und leicht zu bedienende Faltelement bedeutet in der Produktion geringe Fertigungstoleranzen und deutlich höhere Herstellungskosten. Einfache Falträder haben zumeist wenige Faltelemente und entsprechend große Packmaße oder minderwertige Faltelemente, die die Fahrstabilität mindern.
Bei dem hochwertigen Faltrad bestehen extreme Unterschiede in allen Kernfunktionen:
Inzwischen ist die Bandbreite an Faltradmodellen in Preis und Leistung beträchtlich: Es reicht vom recht schweren Landgangrad, das sicherlich vom Hafen bis zum nächsten Bäcker seine Dienste tut, über das werktäglich in Verbindung mit anderen Verkehrsmitteln benutzte Arbeitswegerad und das Tourenrad für längere Ausflüge und Ferien bis zum Rennradersatz. Der Gebrauchswert des Faltrades lässt sich durch folgende Kriterien bestimmen: Häufigkeit der Nutzung (Preis), Trageeigenschaften (Gewicht), Faltvorgang (Sauberkeit, Dauer), Fahreigenschaften (Federung + Komfort), Effizienz (Anpassungsmöglichkeit an den Fahrer), Topographie (Übersetzungsbereich), Platzbedarf (Stauraumgröße), Transportkapazität (passende Packtaschen), Einsatzgebiete (Straße/Gelände) und natürlich ein umfangreiches gut passendes Zubehörprogramm.
Ein genialer Kompromiss wurde das Faltrad erst, als auch Fahrspaß sich zur Faltfunktion und ein geringeres Packmaß dazu gesellte. Die Kultur des Faltrades hat sich aus den sozioökonomischen Zwängen heraus zu einer Technik entwickelt, bei der sich der Gebrauchswert und Fahrspaß in einem positiven Verhältnis zueinander verbesserten. Kunden wird ein überzeugender zusätzlicher Nutzen geboten, der ein ganz besonderes Marktsegment - allerdings in viel höheren Preisklassen - für die Nischenhersteller eröffnet.
Die Mitnahme ist eine Kernfunktion eines Faltrades, so dass es nicht nur leicht vom Gewicht, sondern ebenso zu handhaben sein muss: So bieten einige Hersteller Rollen am Gepäckträger an, so dass es fast wie ein Rollkoffer zu bewegen ist.
Peter de Leuw (Pro Velo Nr. 55, S. 20 und www.pdeleuw.de/birdy.html) fasst zusammen: "Das optimale Faltrad lässt sich auf Rucksackgröße zusammenschrumpfen, wiegt nicht mehr als ein mittlerer Koffer und fährt sich wie ein konventionelles Rad." Gütekriterien eines Alltags-Faltrades sind die robuste Ausstattung und die Dauer der Vorbereitung zur Nutzung. In einer halben Minute müssen folgende Tätigkeiten so oder andersherum erledigt sein: Schutzhülle ab, Auseinanderfalten, Gepäcktaschen befestigen und losfahren.
Während für Standard-Fahrräder wegen der vielen genormten Teile diverses passendes Zubehör von fremden Herstellern zur Auswahl steht, verhindern die auf kleine Packmaße hin konstruierten, zum Teil eigenwillig anmutenden, Rahmen der Falträder häufig die Verwendung solcher Teile. Zu einem System-Faltrad gehört ein umfangreiches passendes Zubehör.
Inzwischen kann bei den Faltrad-Herstellern der höherwertigen Exponaten von Systemanbietern gesprochen werden, bei denen das eigentliche Faltrad als Herzstück zwar das zentrale Modul darstellt, dessen Qualitäten sich im Kontext mit gut geeignetem Zubehör erst richtig zur ganzen Leistungsbreite entfalten: spezielle Gepäckträger und - taschen, Tragehilfen und -rucksäcke, bruchsichere Flugkoffer, unterschiedliche, den Straßenbelägen angepasste Bereifungen, StVZO-gerechte Ausstattung. Nicht nur bei den Fahreigenschaften, sondern gerade durch das Zubehör werden die Unterschiede in den Qualitäts- und Preisklassen offenkundig. Ist ein Baustein unterentwickelt oder hat er in dem Mosaik einen falschen Stellenwert, besteht das Risiko eingeschränkter Faltradmobilität. Das Birdy hat sich als Systemfaltrad entwickelt und erfüllt damit beste Voraussetzungen.
Hochwertige Falträder kann man unter verschiedenen Gesichtspunkten den speziellen Wünschen anpassen. Jeder Nutzer hat seine speziellen Wünsche und Anforderungen. Während die einen mit dem Birdy auf die große Tour gehen wollen, zählt für die anderen z.B. die Alltagstauglichkeit mehr. Unsere Tabelle "Tuning" zeigt, für welchen Zweck das Birdy mit etwas Aufwand und Geld modifiziert werden kann.
Der wichtige Unterschied zum Normalrad besteht darin, dass das Faltrad konstruktionsbedingt nicht nur eine, sondern zwei Kernfunktionen hat: Einmal ist es zum Radeln da, andererseits ist es aber in zusammengefaltetem Zustand besonders geeignet zum Tragen und Verstauen. Damit kann das Faltrad einmal zum Reisen und zusätzlich zum Mitreisen dienen.
Das Faltrad hat zweck- und typbedingt spezifische Formen der Fahrradmobilität und bietet dazu mehr Möglichkeiten als ein großes Fahrrad. Gerade in Verbindung mit anderen Verkehrsmitteln hat das moderne Faltrad überzeugende Argumente für sich, weil es auch fehlende infrastrukturelle Einrichtungen des Fahrradverkehrs "überspringen" kann.
Die einfache Philosophie vieler Falträder lässt sich mit folgenden Größen beschreiben: Klein in der Geometrie beim Fahren und das bei vergleichbarer Sitzhaltung und Kraftübertragung wie ein großes Rad - und doch viel kleiner nach der Verkleinerung für die weitere der Funktion gemäßen Funktion: Tragen und Verstauen.
Sollen zwei Verkehrsmittel miteinander harmonisch kombiniert eingesetzt werden, dann müssen sie wie Puzzlestücke zueinander passen. Lücken in der Mobilitätskette fallen um so weniger auf, je effizienter und passgenauer sich die einzelnen Bestandteile der Mobilitätsglieder in Service und Geschwindigkeit geben und erlebt werden.
Aus einem relativ großen Einzugsbereich kann der Faltradfahrer zu einer Haltestelle des Öffentlichen Personennahverkehrs oder anderen Mitfahrgelegenheiten kommen, das Rad zusammenfalten und auf das andere Verkehrsmittel - nachts und wenn es eilt, sogar in ein Taxi - umsteigen, an der Zielstation später aussteigen und das Rad entfalten und wieder die letzte oder schönste Etappe radeln.
Falträder können individuelle Mobilitätslücken schließen, aber auch andere Verkehrsmittel ersetzen. Damit können sie ihrem Potenzial nach sehr wohl als Ergänzung zu anderen Verkehrsmitteln wie auch in Konkurrenz zu ihnen stehen, weil sie jenen aus Gründen der Zeit, des Genusses und der Streckenführung überlegen sind. In Verbindung mit einem Schnellbus kann das Faltrad den Zweitwagen ersetzen. Andererseits wird sicherlich bei günstigen Bedingungen und Sonnenschein ganz/teilweise auf den Bus verzichtet werden können.
Der speziellen Funktion von Falträdern folgend müssen wegen der Möglichkeit der Verkehrsmittelkombination die Bahn, der Bus, das Flugzeug und das Auto als gegebene Planungsgrößen akzeptiert werden, dem sich das Faltrad bei der Entwicklung als Veränderbares anpassen sollte. Für die Verbreitung dieses Fahrradtyps muss die Marktmacht der großen mitnehmenden Verkehrsmittel z.B. der Autohersteller, der Fluggesellschaften und der Bahn anerkannt werden. Die Faltradhersteller müssen den möglichen Stauraum bei der Konstruktion schon im Sinne eines handgepäckfreundlichen Fahrrades bedenken.
Die Freude am Radfahren lässt sich erhöhen, wenn man mit schnelleren Verkehrsmitteln die unattraktiven Strecken überbrückt, um im Zielgebiet in ausgesucht schönen Regionen wieder zu radeln, um ggf. irgendwo wieder in ein anderes Verkehrsmittel zu steigen. Die Faltvorgänge gehen viel schneller als die aufwendigen Sicherungsarbeiten von Normalrädern auf Trägern und das Rad wird nicht von Mitnahmebeschränkungen betroffen.
Das ideale Faltrad lässt fast sich wie ein Regenschirm mit sich führen, dass bei Lust und Bedarf für Strecken benutzt wird. Auch der Kofferraum eines PKW kann ein sicherer Abstellplatz eines Faltrades sein, womit es immer eine Mobilitätsalternative und Option auf eine schöne Radtour darstellt.
Faltradfahren in Verbindung mit anderen Verkehrsmitteln ist wie eine Etappenfahrt, bei der für jede Etappe jeweils die freie Entscheidung und die optimale Wahl über alle verfügbaren Kombinationen dem Fahrer zur Verfügung stehen.
Merkmal der individuellen "Faltradmobilität" ist das Überbrücken einer Transportlücke oder die Vermeidung von Abstellrisiken. Es ist ein Faltradradeln zwischen Umsteigepunkten verschiedener Verkehrsmittel und einfacher Sicherungsmaßnahmen durch Mitnahme anstatt Abstellen, z.B. Radsicherung durch das Mitnehmen ins Arbeits- oder auf das Hotelzimmer.
Eine individuelle Mobilität kann darüber eine preiswerte und beschleunigende Verkehrsmittelkombination realisieren. So sind Falträder nicht nur für Frauen ideal, die tageshelle Strecken mit dem Rad und die Rückfahrten mit einem anderen Verkehrsmittel, mit dem zum Gepäckstück verkleinerten Faltrad, fahren wollen.
Das Faltrad erwartet in gewisser Weise für eine Gesamttransportleistung viel weniger eine fahrradgerechte Infrastruktur als das Standardrad, weil Fahrrad-ungeeignete Strecken einfacher mit anderen Verkehrsmitteln überbrückt werden können.
Das Ergebnis des Transportvorgangs hängt von der Qualität der einzelnen Verkehrsmittel ab. Insoweit besteht immer auch eine Abhängigkeit von der Leistungsfähigkeit anderer Verkehrsmittel.
Das Faltrad als Verbindungs- und Überbrückungs-Verkehrsmittel bietet verschiedene Kombinationsmöglichkeiten:
| Start/hin | unterwegs | Ziel/zurück | Funktion | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Birdy | Bus/Bahn/Flugzeug | Birdy | Zubringer | |||
| Auto | Birdy | Auto | Freizeit/Einkauf | |||
| Mitfahrgelegenheit | - | Birdy | Umweltschutz/Gesundheit | |||
| Birdy | Mitfahrgelegenheit | Umweltschutz/Gesundheit | ||||
| Birdy | Birdy | Birdy | Reise-/Tourenrad |
Für das Faltrad haben sich damit ganz neue, typbedingte Einsatzgebiete erschlossen:
Ein ganz gewichtiger Grund für ein Faltrad ist eine vermeintlicher Nebeneffekt: die Sicherungsfunktion des Faltrades lässt sich elegant auf die Formel reduzieren: falten und mitnehmen - statt abstellen und abschließen.
Die meisten Käufer z.B. des Birdys wohnen in großstädtischen Einzugsbereichen. Teilweise wird das Birdy nicht nur wegen seiner Faltbarkeit und einfachen Mitnahmemöglichkeit in anderen Verkehrsmitteln gebraucht als vielmehr die Verkleinerungsfunktion und Mitnahme im Sinne einer Sicherungsmaßnahme an den Zielpunkten von Radfahrstrecken benötigt. Hier erhält das Faltrad die einfache Fahrradmobilität, die aus veränderten Rahmenbedingungen unserer Wohn- und Arbeitswelt ansonsten nur eingeschränkt realisierbar wäre. Die klassischen Aspekte der Faltradmobilität, geringes Tragegewicht und kleiner Abstellplatz sind dabei von Bedeutung, um sich den Spaß am Radfahren zu erhalten.
Viele städtische Wohnungen haben keinen oder einen nur schlecht zugänglichen Fahrrad-Abstellraum, so dass die oben genannten Faltfunktionen die Kaufentscheidung bestimmen. Das zusammengefaltete Rad steht wie der zusammengefaltete Schirm ausgehbereit unter der Gardrobe.
An vielen Arbeitsstellen bestehen nur schlechte Abstellmöglichkeiten für Fahrräder, so dass auch dort die Mitnahme an den Arbeitsplatz als Sicherungsvorgang zu verstehen ist.
An den wenigsten Bahnhöfen gibt es Fahrradstationen, die 24 Stunden-Service haben, geschweige denn Fahrradboxen zum Trockenen und sicheren Abstellen. Die einzige Alternative wäre ein alter "Drahtesel", den man sich traut, längere Zeit im öffentlichen Raum abzustellen. Das mag bei einem guten Schloss zwar die Gefahr des Diebstahls senken, aber Vandalismus und Verdreckung bleibt es ausgesetzt. Wegen der eingeschränkten technischen Zuverlässigkeit wird ein Fahrspaß beim Radeln kaum aufkommen. Hier erhält das Faltrad die normale Fahrradmobilität auf der Strecke, während an Quelle und Ziel eines Weges die spezifischen Aspekte der Faltradmobilität zusätzlich zur Geltung kommen.
Gelegentlich gibt es überraschende Perspektiven: Ein begeisterter Brompton-Fahrer begründete seine Wahl unter anderem mit dem Kriterium, dass er sein Rad aus Sicherungsgründen gekauft habe, weil er es überall mit hinnehmen könne, u.a. auch auf die Bahnhofstoilette.
Danach gäbe es den Lehrsatz: Mein Faltrad muss auf die Toilette gehen können.
Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass die erste deutschsprachige nicht von einem Hersteller oder Importeur betriebene Homepage für ein Faltradmodell entstand. Im Juni 2001 wurden die "birdy-freunde" gegründet. Für den aktuellen Informations- und Meinungsaustausch gehören Mailing-Listen dazu. Ende 2002 starteten die "Bromptonauten" in Deutschland für den britischen Klassiker. Ganz sicher bieten insbesondere die durch die Möglichkeit der einfachen Verkehrsmittelkombination vielfältigeren Nutzungsmöglichkeiten des Fahrradtyps Faltrad auch gute Grundlagen für individuelle Anpassungen, so dass dieses neue Medium des Informationsaustausches gerade diese Rad-Spezialisten begünstigt. Hersteller hochwertiger Falträder sind zwar schon Systemanbieter, was ihr Zubehör anbetrifft, aber das scheint den Bedürfnissen für individuelle Anpassung noch nicht zu genügen, wie man an den vielen Beiträgen zum "individuellen Birdy" nachlesen kann.
Im besten Sinne kommen über die Kommunikation des Internets die Absichten der birdy-freunde zum Tragen, wirklich einen Synergie-Effekt herbei zu führen. Gelegentlich werden Antworten auf Fragen gegeben, die man bisher noch gar nicht so als Problem wahrgenommen hat, weil jeder sein Faltrad und das Zubehör auf andere Schwerpunkte seiner Faltradmobilität hin optimiert.
"Braucht es zum Transportieren eines Blumenstrausses, eines Notebooks und zweier Bundesordner wirklich ein Auto?" fragt sich auch Thomas Lösch von Velowerk, Schaffhausen, Schweiz in seinem Beitrag zur urbanen Mobilität.
www.birdy-freunde.de/faltradkultur/faltradmobilitaet.html - ausgedruckt am 08.09.2010