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www.birdy-freunde.de/faltradkultur/modulbike.html - ausgedruckt am 21.05.2013

Das Modul-Bike

Eine Rezension von Ulrich Gehrmann Das Buch bietet Hintergrundwissen und Faltrad-Kompetenz durch einem Fachmann. Es ist immer noch eine gute Grundlage für eine Kaufentscheidung. Auch wenn natürlich die Auflage und der Drucktermin 1997 nicht die neuesten Modellentwicklungen darstellt, wird andererseits in sehr unterhaltsamer Form und erheblichem Maße komptenzerweiternd ein Nischenthema in seiner immer noch aktuellen Struktur behandelt. Wer das Buch gelesen hat, bedarf schon eines wirklichen Fachhändlers in Sachen Faltrad als angemessenen Gesprächspartner.

Haupt-Gliederungspunkte:

Eine kurze aber richtungsweisende Definition kennzeichnet wohl das wesentlichste Element: ".. kleines und handliches Fortbewegungsmittel, mit dem Otto Normalverbraucher die Lücke zwischen dem Laufen und dem Benutzen eines öffentlichen Verkehrsmittels oder Autos schließen kann."
Den Begriff "Modul-Bike" will Fehlau in zwei Bedeutungszusammenhängen verstanden wissen:

  1. Das faltbare Rad ist technisch modular konstruiert, ggf. auch noch nach Kundenwünschen technisch ausgestattet. Aber auch gerade erst die Zubehörteile, wie Packsack, Koffer, etc .... machen das System Faltrad zu einem funktionstüchtigem Ganzen.
  2. Das leicht verkleinerbare Rad bewirkt als verkehrspolitische Konzeption einen modularen Bestandteil individueller Mobilität und Flexibilität und zwar im Zusammenwirken mit andern Verkehrsmitteln, wie öffentlichen und individuellen Personenverkehr.

Das Modul-Bike in Verbindung mit anderen Verkehrsmitteln hat insbesondere den großen Vorzug, dass man nicht zum Ausgangspunkt zurückgezwungen wird. Anders als Normalräder sind Falträder auch nicht von den Sperrfristen der Mitnahme in ÖPVs ausgeschlossen. Die Gepäckwagen früherer Zeit dienten dem Radreisenden als rollende Garagen, was heute trotz Radreservierung nicht immer klappt.
Als Vorzüge des Faltrades gegenüber dem Normalrad werden genannt:

Falträder haben einen unisex-Rahmen und müssen auch für unterschiedlich große FahrerInnen angepasst werden können. Das für den Benutzer wichtige Dreieck: Lenker, Sattel und Pedalen muss nach seinen Bedürfnissen individuell festgelegt werden. Nicht nur die (Kriegs-) Geschichte der Falträder, sondern auch die Geschichten über Konstrukteure, Marken, Modelle und Produzenten sind spannend zu lesen und verdeutlichen dabei die verschiedenen Konzepte der Faltradentwicklung.

Fehlau stellt die internationale Faltrad-Szene nicht nur an historischen Beispielen dar, sondern erklärt sogar die unterschiedlichen Entwicklungstendenzen von Europa nd Nordamerika unter "kontinental" und "the american way". Der Leser bekommt einen Einblick in die überraschende Vielfalt der Konzepte und Modelle. Hier eine aktuell(er)en Übersicht. Drei Faktoren werden den zukünftigen Stellenwert des Faltrades in Deutschland bestimmen: Technische Entwicklungen - auch von Verkehrsmittelkombinationen, gesellschaftlicher Stellenwert und Bewusstsein für Individualmobilität.

Noch sind wir vom Ziel der Faltradentwicklung einiges entfernt, denn das hört sich radikal an: es soll in einem radelbarem Gepäckstück bestehen. Aber wie viel "Fahrrad" braucht ein "Faltrad"? "Sollen zwei Fahrzeuge miteinander in Kombination eingesetzt werden, dann müssen sie zueinander passen, wie Puzzle-Stücke. Lücken in der Mobilitätskette fallen um so stärker auf, je effizienter (in Service und Geschwindigkeit) sich die einzelnen Bestandteil der Kette geben und erlebt werden." Ganz unideologisch muss die Marktmacht der Autohersteller anerkannt werden und es sollten die Faltradhersteller auch die Idee eines mit einfachen Faltmechanismus versehenen autofreundlichen Fahrrades - bitte auf hohem Niveau - weiterbringen.
Folgerichtig betrachtet der Modul-Ansatz die ÖPVs, Flugzeuge und Autos als gegebene Planungsgrößen, dem sich das (Falt-)Rad als Veränderbares anpassen sollte. Lassen sich Falträder am Start einfach auspacken, komfortabel und zügig auf der Strecke fahren, um am Ziel genauso einfach wieder gefaltet und eingepackt zu werden, dann macht Gelegenheit aus dem gutem Grund des Mitnehmen und bei sich Führens könnens keine Diebe, sondern Faltradbenutzer.
Auf ein Faltrad umzusteigen, beginnt nicht nur im Kopf als ökonomisches Kalkül, sondern ebenso im Bauch, wenn damit mehr Lebensfreude in das Leben gebracht werden kann. An einem schönem Urlaubsort einfach das zu dem Fahrer passenden Faltrad auspacken und eine Küsten-Panorama-Traumstraße entlang radeln, lässt sich sicherlich als gesteigerte Lebensqualität wahrnehmen, aber nicht unbedingt in Euro und Cent ausdrücken. Falträder können individuelle Mobilitätslücken schließen, aber auch andere Verkehrsmittel ersetzen. Damit können sie ihrem Potenzial nach sehr wohl als Ergänzung zu anderen Verkehrsmitteln, wie auch in Konkurrenz zu ihnen stehen. Ein schöner Vergleich verdeutlicht den möglichen Stellenwert: "Gute Falträder sind eine Art Schweizer Messer der Mobilität, man wertschätzt sie erst dann richtig, wenn man einmal in einer wichtigen Situation darauf verzichten musste." Geringfügig ergänzt, stimmt der Kommentator zu: "Gute Falträder sind eine Art Schweizer Messer der Mobilität". Erst das Fehlen des Korkenziehers für den Zugang zum guten roten Tropfen beim Picknick lässt den Verzicht als Genussminderung scherzhaft erleben. Die Wertschätzung wächst mit der gewonnen Freude an der Nutzung. Erst wenn der stolze Besitzer sich der Möglichkeiten des Rades bewusst wird und das Rad auch häufig genug mitnimmt, kann ihm sein begleitendes Mobilitätsgerät zur Bereicherung werden. Mit dem Faltrad lässt sich der Entspannungswert sogar auf einer Dienstreise realisieren. Statt im Hotelzimmer herumzuhängen, radelt der Konferenzteilnehmer den Spätnachmittag durch die grüne Lunge einer Stadt seinen Stress und Bauch ab.

Die schrillen Designs der MTBs haben auch die Sehgewohnheiten bei der Beurteilung eines Faltrades verändert und lassen ihre auffälligem Rahmenformen kaum auffallen. Fehlau geht es "Neudeutsch" um den Falt-und-Ride-Spaß. Fehlau schlägt eine dreigliedrige Klassifizierung von Falträdern vor:

  1. Pendler-Rad
  2. Falträder und
  3. Räder mit Zerlegeoptionen.

Die Frage von Kosten und Nutzen lässt sich im Gegensatz zur Aussage des Autors natürlich betriebswirtschaftlich beantworten. Allerdings sollte die Aufgabe mehr beinhalten, als die Frage, wie viel Fahrrad man für sein Geld bekommt, sondern es sollten korrekterweise die sich daraus auch ökonomischen auswirkenden Handlungsalternativen ausgelotet und die Freude als nichtwirtschaftlicher Nutzen mitberücksichtigt werden. Wird eine umfangreiche individuelle Mobilitätsrechnung angestellt, so könnte der Bestandteil Kaufpreis eines Faltrades möglicherweise, Taxifahrten oder sogar den Zweitwagen ersparen.
Natürlich wird der örtliche Fachhändler von Fehlau empfohlen, wobei er insbesondere den nicht selten zu findenden mit Kompetenz in Sachen Faltrad meint. Viele Hersteller/Importeure haben Händlernachweise, die sicherlich ihr sehr bescheidenes Faltradangebot preisen. ÖPVs, wie Busse und Züge können je nach Lage Partner oder Konkurrenten sein.

In Verbindung mit einem Schnellbus kann das Faltrad den Zweitwagen ersetzen. Andererseits wird sicherlich bei günstigen Bedingungen und Sonnenschein ganz/teilweise auf den Bus verzichtet werden können. Einige interessante Details zum Faltrad-Sport:

Mit der angelesenen Sachwissen dieses Buches lässt sich schnell die Faltrad-Kompetenz eines Fahrradhändlers ausloten.




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