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www.birdy-freunde.de/news/haz1001.html - ausgedruckt am 17.05.2012

Zwei Zimmer, Küche, Bad, Balkon huckepack

Durchdacht und flexibel: VW-Reisemobilstudie

Hannoversche Allgemeine Zeitung, Motor & Straße, Nr. 242 - Mittwoch, 17. Oktober 2001

VON JUTTA KRAUSE

Mit dem legendären VW Bulli hat alles angefangen. Er trat seinen Siegeszug rund um den Erdball zwar zunächst als nahezu unverwüstliches, "Nutztier" an, doch schon bald entdeckten untermehmungslustige Zeitgenossen seine Qualitäten als rollende Ferienwohnung. Seit nunmehr 50 Jahren gibt es den VW Transporter, wie er offiziell heißt, auch als Reisemobil - in manchmal kurioser Heim- und Bastelarbeit, als fertiger Ausbau von Spezialisten wie Westfalia oder Karmann oder als Freizeitvariante direkt vom Werk. Das Jubiläum hat VW Nutzfahrzeuge in Hannover-Stöcken nun zum Anlass genommen, gemeinsam mit dem Innovations- und Design-Centrum Hymer IDC in Pforzheim eine Studie zu entwickeln, die einen Blick in die Zukunft des Reisemobils geben soll.

Faltrad und Wohnmobil

Auf der Basis eines "normalen" Transporters T4 in der Variante Fahrgestell mit Fahrerhaus ist ein 5,90 m langer, 2,60 m hoher und 2,19 m breiter Prototyp auf die Räder gestellt worden, bei dem trotz futuristischer Ausrichtung Wert auf technologische und wirtschaftliche Realisierbarkeit gelegt wurde. So wurden alle T4-Fahrwerkskomponenten original übernommen. Dadurch konnte die gesamte technische Grundversorgung wie Wassertanks, Gaskasten, Gasheizung (kombiniert mit Warmwasserboiler) in Unterflurbauweise installiert werden. Das wiederum verhilft den Innenraumgestaltern zu ungeahnten Entfaltungsmöglichkeiten.

Die Handlichkeit und Alltagstauglichkeit eines Freizeitmobils hängt entscheidend von den Außenmaßen des Gefährts ab. Man muss damit zur Not auch in engen Gassen rangieren können, möchte aber andererseits auf ein gewisses Komfortniveau bei der Ausstattung nicht verzichten. VW zeigt mit der "All-in-one" getauften Studie, dass der Spagat machbar ist. Dabei wurden auch Kriterien einbezogen, die manchmal beim Kauf eines solchen Mobils nicht genügend beachtet werden. Trotz eines auf 3,50 m verlängerten Radstandes und einer um etwa 33 cm verbreiterten Spur passt das Fahrzeug nämlich auf Pkw-Parkplätze; seine Abmessungen sorgen zudem für niedrige Mautgebühren und preiswerte Fährtarife.

Wesentliche Besonderheit dieses rollenden Urlaubsdomizils sind seine fünf Türen. Die beiden Frontpassagiere steigen durch die normalen Transportertüren ein, in den Wohnraum gelangt man entweder durch zwei Seitentüren im vorderen Bereich oder durch die komplett nach oben schwenkende Heckklappe. Fährt man zu viert, nehmen zwei Personen im Fahrerhaus und die beiden anderen in auf Schienen montierten Einzelsitzen dahinter Platz. Der gewölbte Dachaufbau und das große Fenster in der Dachgaube sorgen für Licht und vermitteln ein überaus wohnliches Ambiente.

Die zweite Sitzreihe lässt sich dank drehbarem Gestühl und herausziehbarem Klapptisch für den kleinen Imbiss zwischendurch nutzen. Der Toilettenraum ist ein Musterbeispiel der Verwandlungskunst. Dusche, Waschbecken, Kassettentoilette - alles ist vorhanden. Ein in den Boden eingelassener Holz- bzw. Kunststoffrost vor dem Sanitärbereich dient als Nass- und Schmutzschleuse. Winter- und Wassersportler und Familien mit Kindern werden sie zu schätzen wissen. Wie das Bad ist auch der dahinter liegende Schrank mit einem transparenten Rollladen zum Wohnraum abgetrennt.

Gegenüber von Bad und Schrank befindet sich der rund geformte Küchenblock - ein wahres Eldorado für Hobbyköche. Ein Heißluftbackofen ist ebenso an Bord wie ein Glaskeramik-Kochfeld. Fast lautlos gleiten die Auszüge für Töpfe und Geschirr.

Zu Tisch bitten die Eigentümer dieser rollenden Zweizimmerwohnung im Designer-Look dann ins Hinterzimmer. Die Sitzecke bietet Platz für vier oder eine Schlafgelegenheit für zwei in der Größe 2 x 1,20 m. Ein zweites Bett gleicher Größe schwebt per Fernbedienung von oben herab. Sitzt man bei geöffneter Heckklappe, so kann man im "All-in-one" auch Urlaub auf Balkonien machen. Unter dem Boden der Hecksitzgruppe befindet sich ein Schubfach, in dem man zum einen allerlei Freizeitutensilien (beispielsweise zwei Klappfahrräder oder Golfbags sowie Tisch und Stühle für draußen) unterbringen kann. Dieses Fach lässt sich außerdem um einen Meter herausziehen und bietet so einen einigermaßen wettergeschützten Freisitz.

Ist Petrus den Passagieren einmal nicht wohl gesonnen, so dürfte dennoch keine schlechte Laune aufkommen. Wenn's draußen stürmt oder schneit, sorgen drinnen verschiedenfarbige Lichtelemente wie in einer Bio-Sauna für die gewünschte Wohlfühlatmosphäre. Neben hochwertigen Materialien im gesamten Innenbereich und einer Ausstattung, die kaum Wünsche offen lässt, kommt aber auch die Sicherheit nicht zu kurz. Eine sensorgesteuerte Kamera überwacht beispielsweise wie zu Hause den gesamten Außenbereich in unmittelbarer Nähe.

Der "All-in-one" ist als Konzept- und Design-Studie wohlklingende Zukunftsmusik. Die Resonanz nach ersten Fachmessen zeigt aber bereits, dass ein interessiertes Publikum vorhanden ist, das sich auch von einem Grundpreis von etwa 100 000 Mark nicht schrecken lassen würde. Eines steht aber bereits fest: Sollte das Projekt eines schönen Tages realisiert werden, dann sicherlich auf Basis der neuen Transportergeneration T5, die voraussichtlich im Frühjahr 2003 von Hannover-Stöcken aus anrollt.

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