| birdy-freunde |
Aktuelles |
Termine |
Das Birdy |
Das individuelle Birdy |
| Mit dem Birdy auf Reisen |
Faltradkultur |
Langfinger |
Links |
| Impressum | Sitemap |
www.birdy-freunde.de/news/ifma2001.html - ausgedruckt am 04.02.2012
Von Bernd Holzum
Die Messe ist recht groß, alle renommierten Firmen sind mit großen Ständen vertreten. Neben drei Hallen mit kompletten Fahrrädern ist immer wieder interessant die Halle mit dem Zubehör. Da gibt's ausgewachsene Einspeichmaschinen für die Fahrradindustrie und unwahrscheinlich viele fernöstliche Komponentenhersteller für die Anbauteile, die so ein Fahrrad braucht. Viele von denen langweilen sich am Publikumstag dann doch ein wenig, denn wer interessiert sich schon für einen Hersteller von billigen Massenrad-Naben. Was aber auffällt, ist, dass viele dieser Hersteller sich immer mehr kuriose fahrbare Untersätze ausdenken: gerade noch fahrbare, kniehohe Mini-Fahrräder, Kreuzungen aus Skateboard und Kinderroller, Kickboards mit Zweitakter-Unterstützung (in D verboten), Roller mit herunterklappbarer Lenkstange, die man an der Steckdose auflädt und im Kofferraum mitnimmt, Räder, die Arm- und Beinkraft für den Vortrieb nutzen (nur als Spaß- und Fitnessinstrument gemeint) und was weiß ich nicht noch alles.
Insgesamt zeigt sich eine wachsende Neigung, auch exotische Gefährte "cool" zu finden, eine Landschaft also, in der Räder wie das Birdy immer weniger Akzeptanzprobleme haben dürften.
Der riese und müller-Stand war wie immer dicht belagert: viele Räder mit sehr unterschiedlicher Konzeption auf kleiner Fläche, ein halbes Dutzend Mitarbeiter stehen Rede und Antwort. Immer noch die größte Attraktion ist das Birdy. Die armen r-m'ler müssen es eigentlich pausenlos falten und entfalten und dazu die immer gleichen Fragen beantworten ("Muss man da nicht viel schneller treten, um vorwärts zu kommen?"). Beim Preis bleibt den totalen Laien dann die Spucke weg, die sich dachten kleines Rad - kleiner Preis oder die sich an die Preise der Kaufhaus-Klappräder aus den Siebzigern erinnerten.
Natürlich habe ich die ausgestellten Birdys gleich sehr sorgfältig unter die Lupe genommen. Mein Hauptinteresse galt den Verbesserungen am Rahmen, die zwar auf der Homepage beworben werden, aber noch nicht in den Läden angekommen sind wegen Abverkauf der Vorräte. Wie sieht die neue Schwingen-/Tretlagerung aus? Nun, eigentlich kaum anders als vorher, auf den ersten Blick. Auf den zweiten sieht man dann, dass das ganze viereckige Gebilde nun "aus einem Guss" besteht, ohne die etwas plump angebratene Abschlussplatte am hinteren Ende. Also weiche Rundungen, weniger Schweißnähte. Auffällige Änderungen auch an der Hinterradschwinge: Die V-förmigen Ausleger, die die Schwingenachse mit der Schwinge selbst verbinden, sind dicker und damit sicher stabiler geworden. Die Querschnittsfläche könnte sich nahezu verdoppelt haben. Im rechten V ist eine Auskehlung für die Kette notwendig. Die Schweißstellen oben am V sehen sauberer aus, ich glaube, dass da jetzt auch nicht mehr so eine zwischengeschweißte Verstärkung notwendig ist. Insgesamt ist das Finish also merklich verbessert worden. Das hintere Ende der Birdy-Schwinge ist jetzt geschlossen, im spitzen Winkel schräg, "stromlinienförmig", abgeschnitten und dann mit einer viereckigen Platte, die das Ganze wahrscheinlich auch verwindungssteifer macht, zugeschweißt. Natürlich ist jetzt Essig mit Bowdenzügen, die man improvisatorisch durch die Schwinge hindurch legt. Das Ganze sieht aber sehr sauber aus; das Birdy legt insgesamt den (nicht von jedem geschätzten) Hinterhofwerkstatt-Charme ab, den es anfänglich noch hatte, und präsentiert mehr Großserien-Professionalität. Dass das Birdy red jetzt 8 Gänge hat, ist bekannt. Die Umlenkröhrchen der V-Brake-Innenzüge (die Dinger, die direkt an der Bremse ansetzen) sind jetzt übrigens spiralig flexibel ausgeführt, was das Gedränge mit den Schutz"blechen" entschärft. Das hintere Schutz"blech" hat jetzt einen Bügel bekommen, auf dessen oberem Ende befindet sich ein Plastikstopfen (sieht aus wie ein Haribo-Lakritz-"Katzenpfötchen"). So wird das Verkratzen des Schutzblechs und dessen schwingungsrissförderndes Herumschlabbern vermieden. Endlich!
Stabiler sieht auch das Gewinde aus, in dem das Röhrchen verschraubt ist, welches die Kette beim Falten auf dem Kettenblatt festhält. Da hab ich genau hingeschaut, weil sich bei mir die Gewindeniete ohne größere Gewalteinwirkung bis zur Unbrauchbarkeit gelockert hatte. Beim neuen Birdy sieht es ehrlich gesagt gar nicht mehr nach Niete aus, sondern so, als wenn die Aufnahme gleich im vollen Material mit in den Rahmen eingearbeitet ist. Der r-m-Mitarbeiter mochte das nicht bestätigen, aber ich glaube nicht, dass jeder Mitarbeiter über solche Mini-Details der Modellpflege Bescheid weiß. Überhaupt war ich am "Löchern" der kaum einmal ansprechbaren r-m'ler arg gehindert, da in Begleitung meines knapp 3-jährigen Filius, dem das Warten natürlich langweilig wurde.
Tja, und am Rohloff-Stand gab es ein Birdy mit der 14-Gang-Nabe zu bewundern. Das Mordstrumm von Nabe sah zu meinem Erstaunen weniger disproportioniert aus, als ich gedacht hätte. Der Drehmomentausleger der Nabe war mit Schlauchschellen befestigt, aber sonst sah das Ganze eigentlich ganz ordentlich aus. Auf einem Probeparcours der IFMA war ich vor zwei Jahren mal mit einem Rad mit dieser Nabe unterwegs und weiß seitdem, warum man auf die Idee kommen kann, sie sogar in ein Birdy zu einzubauen und dafür ungerührt anderthalb Kilomark draufzuzahlen. Erstaunlich überhaupt, wie viele Hersteller ein High End-Modell mit der Rohloff-Nabe ausstellten. Die Zahl derer, die auch im Fahrradbereich für perfekte Lösungen auch mal von ihrem Portemonnaie abzusehen bereit sind, wächst offenbar. Richtig so, wenn man bedenkt, wie locker bei vielen Tausender-Scheinchen sitzen, wenn's ums Auto geht. Das schöne Radl fährt man noch, wenn man das sündhaft teure Auto schon längst wieder dem Gebrauchtmarkt zugeführt hat.
Am r+m-Stand wurde allerdings klar signalisiert, dass man nicht vorhabe, ein Rohloff-Birdy aufzulegen. Man unterstütze zwar entsprechende Bemühungen, für eine Serie sei der Markt aber zu klein.
Ach ja: Einen neuen Katalog gab's noch nicht, dafür eine Beilage mit "Neuigkeiten". Beim Birdy war aber nur die Preisliste neu.
Auch bei Schwalbe habe ich vorbeigeschaut und mir einen Katalog geholt. Der "Stelvio" für 18-Zoll-Räder ist dort verzeichnet. Es handelt sich um einen
lupenreinen Rennradreifen mit Slick-Lauffläche und leichter Profilierung auf den seitlichen Laufflächen. Das Besondere an diesem Reifen: Die schmale Lauffläche besteht bis hinunter auf die Karkasse aus einer härteren Gummimischung, die lange Laufzeiten ermöglichen soll, während die in Kurven beanspruchten Flanken für besseren Grip eine weichere Mischung besitzen.
Spezifikationen des Reifens: Dimension 28-355; 18 x 1 1/8; Kevlar-MB-Belt
(Pannenschutz); Reifendruck min-max 6,0-8,5 bar, Gewicht 195 g, Preis 23,90
Euro. Er wird ab ca. Januar 2001 erhältlich sein. Im Katalog ist das Prachtstück schon drin. Der Reifen kann auf Felgen mit Maulweiten von 15C bis 19C, also auf der Standard-Felge des Birdy eingesetzt werden. Allderings wird dafür ein spezieller Schlauch benötigt, der ebenfalls ab ca. Januar erhältlich sein wird.
Mehr zum Stelvio ...
Ergänzungen von Gunnar Fehlau, riese und müller: die folgenden hier erwähnten Neuerungen sind Neuerungen aus dem Jahr 2001, das heißt, dass es bereits seit etwa März 2001 bei allen ausgelieferten Rädern die beschriebenen Verbesserungen gibt: Schwingen-Tretlager-Bereich, V-Streben am Hinterbau, geschlossene Schwingenprofile am Hinterrad, Birdy red mit acht Gängen.
www.birdy-freunde.de/news/ifma2001.html - ausgedruckt am 04.02.2012